Gegen IT-Kriminalität: WKÖ und BMI erneuerten Kooperationsvereinbarung

9. März 2017, 13:20
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Prävention im Fokus – Delikte gegen Unternehmen verlagerten sich ins Internet

Cybercrime, Betrugsfälle im Internet, Ladendiebstahl – Österreichs Unternehmen wollen sich gemeinsam mit der Polizei gegen wachsende Kriminalität schützten. Bereits seit 2010 besteht eine Kooperation zwischen Wirtschaftskammer (WKÖ) und Innenministerium. Eine weiterführende Vereinbarung wurde am Donnerstag von Innenminister Wolfgang Sobotka (ÖVP) und WKÖ-Präsident Christoph Leitl unterzeichnet.

Schwerpunkt auf Prävention

Der Schwerpunkt soll einmal mehr auf Prävention gelegt werden. In der Wirtschaft würden sich Delikte "von der haptischen in die virtuelle Form verlagern", sagte Sobotka bei einer Pressekonferenz in Wien. Es gebe eine Verschiebung von Gewaltdelikten wie schwerer Raub und Diebstahl zu Cybercrime, erläuterte Leitl. So sei der Kriminalstatistik 2016 zu entnehmen, dass "Gewaltdelikte in der Wirtschaft um 30 Prozent gesunken, Cybercrime-Delikte wiederum um 30 Prozent gestiegen sind", sagte Leitl. "Cybercrime sieht man nicht, es ist aber eine reale Bedrohung", warnte der WKÖ-Präsident.

Die Lage für die 500.000 heimischen Mitgliedsunternehmen der WKÖ habe sich "ganz wesentlich verändert in den letzten Jahren", sagte Sobotka. Welchen Schaden Cybercrime-Delikte anrichten, konnten die Experten nicht beantworten, zu hoch sei auch die Dunkelziffer jener Fälle, die nie angezeigt werden. Jedoch würden pro Tag "25.000 Angriffe im Netz erfolgen", sagte Leitl. "Cybercrime wird unterschätzt, wenn jemand betroffen ist, ist es oft zu spät. Vorsorge ist da ganz entscheidend", betonte der WKÖ-Präsident.

Erst im Vorjahr verlor beispielsweise der Luftfahrtzulieferer FACC 50 Millionen Euro durch Online-Betrug, erinnerte Leitl. Doch solche Angriffe oder Betrugsfälle "können vom kleinsten bis zum größten Betrieb alle treffen". Eine der einfachsten Maßnahmen sei, "Daten abzusichern", riet Leitl.

Bewusstseinsänderung

Neben Präventionsmaßnahmen sei auch eine Bewusstseinsänderung, Fälle zur Anzeige zu bringen, notwendig, forderte Sobotka. Es könne nicht sein, dass "eine Mutter noch immer stolz auf ihren 18-jährigen Sohn und HTL-Absolventen ist, wenn er die Firewall knackt", sagte Sobotka. Das sei eindeutig "ein krimineller Angriff".

Im Kampf gegen Cybercrime brauche es auch "gesetzliche Anpassungen", sagte Sobotka. So sei beispielsweise der von der Regierung geplante Bundestrojaner "ganz wesentlich, um auch in geschlossene Systeme einzudringen", sagte der Minister. Europa habe in diesem Bereich gegenüber den USA "einen ganz wesentlichen Aufholbedarf".

Die erneuerte Kooperationsvereinbarung, die seitens des BMI im Jahr 2010 erstmals von der damaligen Innenministerin Maria Fekter (ÖVP) unterzeichnet worden war, setzt auf die zwei Schwerpunkte "Gemeinsam sicher im Handel" sowie "Gemeinsam sicher gegen Wirtschaftskriminalität". Acht Präventionsprojekte sollen gemeinsam umgesetzt werden, von Sicherheit in Einkaufsstraßen über ein Cyber-Security-Planspiel für heimische Betriebe bis hin zu Spezialausbildungen für IT-Dienstleister. Damit soll die "Widerstandsfähigkeit der Wirtschaft gegenüber Angriffen gestärkt werden", sagte Sobotka. (APA. 9.3.2017)

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