In Genf im Brennpunkt des Geschehens

    9. März 2017, 11:56
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    Der Genfer Salon versucht, diese spannende Entwicklung in gewohnter Professionalität abzubilden.

    Genf – Das Automobil sei ein Auslaufmodell, wird in unseren Breiten gern medial verbreitet. Dauerlieblingsprügelknabe ist die Branche sowieso. Die Realität sieht so aus: Weltweit werden demnächst 100 Millionen Autos jährlich verkauft – 58 Millionen waren es im Jahr 2000. Dann Opel: Die tüchtige, aber glücklose deutsche GM-Tochter wechselt für 1,3 Milliarden Euro zum französischen PSA-Konzern, es soll ein neuer "europäischer Champion" entstehen. Und die Kundschaft hat VW hinsichtlich Dieselaffäre damit bestraft, dass sie den Konzern zum weltgrößten Autohersteller gekürt hat. Vor diesem Hintergrund findet die heurige Frühjahrsmesse, der Genfer Salon, statt.

    foto: andreas stockinger
    Der neue Opel Crossland X, der schon auf einer Peugeot-Plattform aufbaut

    Der andere Umstand ist der: Niemals zuvor stand das Automobil so im Mittelpunkt der gesamten Hochtechnologie, und sie rückt immer rasanter noch mehr in den Hauptfokus des Geschehens. Alternative Antriebstechnologien, totale Vernetzung, autonomes Fahren – das sind die Stichworte. Diesen Megatrends kann sich kein Hersteller verschließen. Das wäre denn auch die Metabene hinter den Stars im Rampenlicht, den Weltpremieren, glitzernden Showcars, den Konzeptfahrzeugen mit der Technik von morgen.

    foto: andreas stockinger
    Auf SUV getrimmt, weist das Citroën C-Aircross Concept ganz konkret auf den im Herbst debütierenden C3 Picasso hin.

    Hinsichtlich Fahrzeugkategorien überwuchert der SUV-Boom alle Bereiche und garantiert satte Zuwachsraten. Welt- und Europapremieren wie (der Größe nach) Opel Crossland X, Jeep Compass, Mitsubishi Eclipse Cross, Subaru XV, Mazda CX-5, DS 7 Crossback, Alfa Stelvio, VW Tiguan Allspace, Volvo XC60, Range Rover Velar zeichnen ein eindeutiges Bild. Nimmt man die Showcars hinzu, wird die Sache noch deutlicher: Citroën C-Aircross Concept, Jaguar I-Pace, Hyundai FE Concept, Audi Q8 sport concept.

    foto: andreas stockinger
    FE Concept: Wo andere noch grübeln, geht Hyundai ’18 in die nächste Phase der Wasserstoff-Brennstoffzellen-Mobilität.

    So weit, so vorhersagbar. Etwas überraschend hingegen, dass heuer auch ein Jahr der Kleinwagen ist, die Weltpremieren hier lauten Kia Picanto, Suzuki Swift, Seat Ibiza, Ford Fiesta. Die dazu passenden Studien – Toyota i-Tril Concept, Honda NeuV, Renault Zoe E-Sport – sind allesamt als Batterie-E-Mobile konzipiert, und apropos: Global wurden 2016 über 770.000 Elektroautos neu zugelassen (die meisten in China und den USA), knapp ein Prozent vom Gesamtkuchen. Langsam kommt Schwung in die Sache.

    foto: andreas stockinger
    Vier Räder, ein E-Motor, Neigetechnik: Beim 1+2-sitzigen i-Tril Concept handelt es sich um eine Art Twizy von Toyota.

    Schwung ist auch das Thema der nächsten Kategorie, absatzmäßig eine Marginalie, emotional indes von nicht nachlassen wollendem Zauber. Es geht um Coupés, Cabrios, Sport- und Supersportwagen, die spannendsten Neuheiten heißen Mercedes E-Klasse Cabriolet, VW Arteon, Audi RS5, Honda Civic Type R, Renault Alpine A110, Ford GT, Ferrari 812 Superfast, McLaren 720S, Aston Martin Valkyrie. Sonst noch was? Klar doch: Mercedes-AMG GT Concept! Bentley Exp 12!

    foto: andreas stockinger
    Das formidable Roadster-Konzept Exp 12 Speed 6e, eine erste Elektroautofingerübung von Bentley.

    Damit noch einmal zurück zu gängigerer Ware: An Kombis zu entdecken sind in Genf Hyundai i30 Kombi, Opel Insignia (debütiert auch als Limousine), BMW 5er Touring und die Studie Peugeot Instinct Concept, und auch den Porsche Panamera Sport Turismo wird man irgendwie dazu rechnen dürfen. Man fährt heuer also auch stilvoll praktisch. (Andreas Stockinger, 9.3.2017)

    foto: andreas stockinger
    Porsche erweitert die Panamera-Palette um den Sport Turismo – eine Art Lifestylekombi nach Art Mercedes CLS Shooting Brake. Topmotorisierung ist der Turbo mit 550 PS. Ab Oktober.
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