Morde in Herne: Tatverdächtiger legte Geständnis ab

Video10. März 2017, 16:48
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19-Jähriger hat den Neunjährigen mit 52 Messerstichen getötet – Das zweite Mordopfer ist ein 22-Jähriger aus Herne

Dortmund/Herne – Der dringend tatverdächtige 19-jährige Marcel H. hat umfassende Geständnisse zu den Morden an einem Neunjährigen sowie einem 22-jährigen in Herne in Nordrhein-Westfalen abgelegt. Dabei dürfte er aus Mordlust und heimtückisch gehandelt haben, sagte der zuständige Staatsanwalt Danyal Maibaum am Freitag bei einer Pressekonferenz in Dortmund.

Im Fall des neunjährigen Nachbarsbuben in Herne, den Marcel H. ziemlich gut kannte, stach er 52-mal zu. Bei dem 22-jährigen Wohnungsinhaber, mit dem er über Online-Computerspiele bekannt war, stach er 68-mal zu. Der Leiter der Mordkommission Bochum, Klaus-Peter Lipphaus, schätzte Marcel H. als "eiskalt" ein: "Er diktiert den Kollegen."

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Forensiker vor dem Haus in Herne, in dem die Leiche gefunden wurde.

Der Tatverdächtige sagte aus, dass er sich vor den Morden selbst das Leben nehmen wollte, weil er bei Bewerbungen gescheitert war – unter anderem bei der deutschen Bundeswehr. Der Suizidversuch scheiterte, woraufhin er beschlossen haben soll, einen Mord zu begehen.

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In diesem Lokal hat sich Marcel H. gestellt.

Drei Tage auf der Flucht

Der 19 Jahre alte Marcel H. war am Donnerstagabend nach drei Tagen auf der Flucht festgenommen worden. Mit den Worten "Bitte ruf die Polizei" soll sich der mutmaßliche Kindesmörder in einem Imbiss in der Stadt gestellt haben. "Um 20.10 Uhr kam er rein mit schwarzen Klamotten, Regenschirm und einem Sack Zwiebeln in der Hand", erinnerte sich am Freitag der Inhaber des Thessaloniki-Grills, Georgios Chaitidis. "Er hatte keine Brille auf, ich habe ihn nicht erkannt."

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Die Pressekonferenz am Freitag in Dortmund zum Fall Marcel H.

Er sei Marcel, habe der junge Mann in ruhigem Ton gesagt. "Welcher Marcel bist du denn?", habe der Grieche daraufhin gefragt. "Guck auf dein Tablet, mein Bild steht da." Dann habe er geklickt und gewusst, wer der Mann war, sagte der 56-jährige Chaitidis.

Er habe seiner Frau gesagt, sie solle die Polizei alarmieren, H. habe dann mit dem Beamten gesprochen. Nach fünf bis zehn Minuten seien drei oder vier Polizisten gekommen und hätten den Verdächtigen festgenommen. "Er hat nix gemacht."

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N24-Bericht über die Festnahme von Marcel H.

Das neunjährige erste Mordopfer von Marcel H. war am Montagabend im Keller des Nachbarn gefunden worden. Bei seiner Festnahme gab der Verdächtige den Ermittlern den Hinweis zu dem Brand in einem nahe gelegenen Haus. In der brennenden Wohnung fanden die Ermittler dann die Leiche des 22-Jährigen.

Marcel H. kannte den Mann über Computerspiele. H. hat laut den Ermittlern nach seinem ersten Mord den 22-Jährigen gebeten, ob er bei ihm übernachten könne. Der 22-Jährige willigte ein. Als dieser Marcel H. als möglichen Mörder identifizierte und die Polizei rufen wollte, tötete H. erneut – diesmal mit 68 Messerstichen. Der Verdacht, es könnte auch ein drittes Opfer geben, bestätigte sich nicht. Die Polizei, die Donnerstagnacht zunächst selbst von zwei Toten in der Wohnung gesprochen hatte, räumte einen Kommunikationsfehler ein.

Experten der Spurensicherung setzten am Freitag ihre Arbeit fort. In weißen Schutzanzügen und mit Mundschutz betraten Kriminaltechniker das Mehrfamilienhaus in der Sedanstraße, in dem nach dem Brand die Leiche gefunden wurde. Unterdessen untersuchten Gerichtsmediziner die Leiche des zweiten Opfers.

Trauerfeier am kommenden Donnerstag

Die Straße vor dem Haus war durch die Polizei abgesperrt. Mehrere Kamerateams waren postiert. Die Eltern des getöteten Buben zeigten sich erleichtert. "Sie sind froh, dass er gefasst worden ist", sagte der Anwalt der Familie, Reinhard Peters. Die Festnahme helfe den Angehörigen, mit der Sache fertigzuwerden. Nun stehe die Frage nach dem Warum im Vordergrund. "Die wollen verstehen, was da geschehen ist." Die Trauerfeier werde voraussichtlich kommenden Donnerstag stattfinden. Einzelheiten seien aber noch offen.

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Gedenken an den getöteten Neunjährigen.

H. sitzt nun in Bochum in Polizeigewahrsam. Bei der Suche nach ihm hatte die Polizei mehr als 1.400 Hinweise erhalten. Nach Angaben der Polizei hatte er Fotos im Internet veröffentlicht, die ihn blutverschmiert neben dem toten Buben zeigen.

Audiodatei auf Facebook aufgetaucht

Hunderttausende haben zudem im Internet eine Audiodatei angehört, die das Geständnis von Marcel H. unmittelbar nach der Tat von Herne wiedergeben soll. Allein ein Clip auf einer privaten Facebook-Seite zur Fahndung nach dem 19-Jährigen verzeichnete Freitagmittag mehr als eine Million Abrufe.

Das Audiofile wurde tausendfach über Facebook geteilt. "Ich hab hier gerade den Nachbarn umgebracht. Fühlt sich ehrlich gesagt gar nicht so besonders an, um ehrlich zu sein. Meine Hand blutet jetzt, und das ist das Einzige, was mich daran stört." Er gehe davon aus, dass er sich in ein paar Tagen stellen lasse. "Vielleicht lock ich noch 'nen Nachbarn rüber und mach' da das Gleiche." Auf welchem Weg man an die Datei gekommen war, wurde auf der Webseite nicht erwähnt.

Auch die Polizei hatte eine Audiodatei erwähnt, die sie am Donnerstag auswertete. "Wir nehmen an, dass sie vom Täter stammt", hatte ein Polizeisprecher dazu gesagt. Auffallend sei die Gefühlskälte. Ob es sich um die im Netz beachtete Datei handelte, war aber zunächst unklar. Die Ermittler wollten sich am Freitag zunächst zu keinen weiteren Details äußern. (red, APA, 10.3.2017)

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