Nebeneinkünfte: Polizeigewerkschafter kassierte 77.000 Euro

9. März 2017, 10:05
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Rainer Wendt, Vorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft, soll jahrelang ein Polizistengehalt bezogen haben, ohne als Polizist zu arbeiten

Disburg/München/Wien – Rainer Wendt steht massiv unter Beschuss. Der Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPoIG) kassierte Beamtenbezüge, ohne als Polizist zu arbeiten. Die Nebeneinkünfte in Höhe von 77.721 Euro und 13 Cent erhielt er, weil er Mitglied in Aufsichtsräten beziehungsweise anderen Gremien ist, berichtet die Süddeutsche. Gegen den 60-Jährigen wird ein Disziplinarverfahren eingeleitet. Das nordrhein-westfälische Innenministerium habe das Landesamt für Aus- und Fortbildung der Polizei dazu aufgefordert, teilte ein Sprecher mit.

Konkret gehen die Nebeneinkünfte auf fünf Funktionen zurück: Mitgliedschaft im Bundeshauptvorstand der DPolG, Mitglied der Gesellschafterversammlung im Beamtenwirtschaftsbund sowie Aufsichtsratsposten bei der Axa-Lebensversicherung, der Immobilienfirma BTA sowie dem DBB-Vorsorgewerk. Bei den beiden letzteren Firmen sowie beim Beamtenwirtschaftsbund handelt es sich um Tochterunternehmen des Beamtenbunds, dem die DPolG als eine von 42 Gewerkschaften angehört.

Haupteinkünfte von Versicherer Axa

Wendt hat als Aufsichtsratsmitglied des Versicherungskonzerns Axa seit 2013 rund 150.000 Euro erhalten, die Nebentätigkeit jedoch nicht dem Landesamt für polizeiliche Dienste angezeigt. Mittlerweile legte er gegenüber dem Spiegel seine Jahreseinkünfte in Höhe von 124.145,29 Euro brutto offen. Demnach stammten 3.348,68 Euro brutto monatlich als Polizistengehalt vom Land Nordrhein-Westfalen. Von seiner Gewerkschaft erhielt er eine Aufwandsentschädigung in Höhe von monatlich 520 Euro brutto. Darüber hinaus habe Wendt 77.721,13 Euro brutto im Jahr für fünf verschiedene Gremienposten kassiert, erfuhr die Deutsche Presseagentur. Wendt selbst wehrte sich unterdessen gegen Vorwürfe der Raffgier.

Wendt wird seit zehn Jahren als Hauptkommissar in Teilzeit aus Steuermitteln weiterbezahlt, obwohl er in München lebt, sich in Berlin hauptberuflich der Gewerkschaftsarbeit widmet und gar nicht mehr als Polizist arbeitet. Die Besoldungsaffäre ist am Donnerstag Thema im Innenausschuss des nordrhein-westfälischen Landtags. Innenminister Ralf Jäger (SPD) soll unter anderem die Hintergründe des Disziplinarverfahrens gegen den Polizisten und Gewerkschaftsfunktionär erläutern.

Wendt wird inzwischen auch in seiner Gewerkschaft kritisiert. Zwei Mitglieder traten demnach aus dem Bundesvorstand der Gewerkschaft zurück. (red, dpa, 9.3.2017)

  • Rainer Wendt ist Vorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft. Seine Nebeneinkünfte lösen eine heftige Debatten aus. Jetzt droht ihm ein Disziplinarverfahren.
    foto: imago/future image

    Rainer Wendt ist Vorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft. Seine Nebeneinkünfte lösen eine heftige Debatten aus. Jetzt droht ihm ein Disziplinarverfahren.

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