Novomatic erwägt Gang an Londoner oder Frankfurter Börse

9. März 2017, 13:53
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Alternativ Verkauf von Anteilen an Beteiligungsgesellschaft möglich – Angeblich 6 Mrd. Euro Börsenwert

Wien/Gumpoldskirchen/London – Der niederösterreichische Glücksspielkonzern Novomatic erwägt laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg einen Gang an die Börse in London oder Frankfurt. Bei dem Initial Public Offering (IPO) könnten Insidern aus Finanzkreisen zufolge 25 Prozent der Novomatic-Anteile platziert werden. Die Banker bewerten Novomatic mit sechs Milliarden Euro.

Novomatic fühlt seit Jahren immer wieder vor, wie viel bei einem Börsengang erlöst werden könnte. Als Alternative denkt Novomatic-Gründer und -Eigentümer Johann Graf offenbar über einen Verkauf eines Minderheitsanteils an eine Beteiligungsgesellschaft nach.

Keine konkreten Entscheidungen

Zum aktuellen Bericht hält sich das Unternehmen bedeckt, verweist lediglich auf die bisherigen Aktivitäten am Finanzmarkt. "Wir sind bereits seit vielen Jahren mit Anleihen am Kapitalmarkt aktiv und evaluieren regelmäßig unterschiedliche Kapitalmarktfinanzierungen. Zu weiteren Finanzierungsprojekten gibt es derzeit keine konkreten Entscheidungen", sagt Sprecher Bernhard Krumpel.

Geht Novomatic tatsächlich an die Börse und platziert Aktien im Wert von 1,5 Milliarden Euro, wie es in dem Bericht heißt, wäre das der größte österreichische Börsengang seit einem Jahrzehnt, also seit der Finanzkrise.

Novomatic wurde 1980 vom gelernten Fleischermeister Johann Graf gegründet, begonnen hat er mit dem Import von Flipperautomaten. Inzwischen ist das Unternehmen mit Sitz in Gumpoldskirchen ein Weltkonzern und beschäftigt etwas mehr als 24.000 Mitarbeiter in rund 50 Staaten. In den vergangenen Jahren ist Novomatic vor allem über Zukäufe rasant gewachsen. In Österreich macht Novomatic nur mehr vier Prozent seines Umsatzes von insgesamt 2,3 Milliarden Euro (2016). Der Einstieg bei den teilstaatlichen Casinos Austria ist für Graf symbolisch ein wichtiger Schritt, galten doch die beiden Konzerne bisher als Erzrivalen.

Eigene Automatencasinos

Novomatic stellt Glücksspielautomaten her, entwickelt Software und ist zunehmend auch im Online- und Lotteriegeschäft aktiv. Die Gruppe betreibt selbst mehr als 1.600 Automatencasinos und Spielbanken sowie über Vermietungsmodelle mehr als 60.000 Spielterminals. Zu den wichtigsten Märkten zählen Deutschland und Großbritannien – in beiden Ländern sind die Niederösterreicher Nummer eins. Mit dem Einstieg beim australischen Konkurrenten Ainsworth, der bis Jahresende unter Dach und Fach gebracht werden soll, will Novomatic den lukrativen US-Markt aufmischen.

In Österreich wird es am 20. März wieder spannend, da ist nämlich die außerordentliche Hauptversammlung der Casinos Austria. Dabei soll der Einzug von Novomatic-Chef Harald Neumann in den Casinos-Aufsichtsrat beschlossen werden. Am gleichen Tag berät dann auch der neue Aufsichtsrat der Casinos, auf der Agenda steht unter anderem die Rückzahlung einer 120-Millionen-Anleihe der Casinos-Auslandstochter Casinos Austria International (CAI), die im Juli fällig ist. Die ordentliche Hauptversammlung der Casinos Austria findet am 31. März statt. Erst danach soll über die Zukunft der Vorstände Karl Stoss und Dietmar Hoscher befunden werden. Ihre Verträge laufen Ende des Jahres aus, eine Verlängerung bezeichnen Insider angesichts des Einstiegs von Novomatic als nicht wahrscheinlich. (APA, 9.3.2017)

  • Der Glücksspielkonzern Novomatic liebäugelt mit einem Börsenlisting, London und Frankfurt dürften die besten Karten für eine Platzierung haben.
    foto: apa/herbert pfarrhofer

    Der Glücksspielkonzern Novomatic liebäugelt mit einem Börsenlisting, London und Frankfurt dürften die besten Karten für eine Platzierung haben.

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