35 Tote bei Brand in Kinderheim in Guatemala

10. März 2017, 09:10
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Bewohner sollen wegen sexuellen Missbrauchs protestiert haben. Präsident ordnete Staatstrauer an

Guatemala-Stadt – Ein Feuer in einem Heim für Kinder und Jugendliche in Guatemala hat inzwischen schon 35 Todesopfer gefordert, die meisten davon Mädchen. Mehr als 20 Opfer sind in kritischem Zustand. Noch ist nicht endgültig geklärt, ob das Feuer wie vermutet ausgebrochen ist, nachdem einige Jugendliche Matratzen angezündet hatten.

Medienberichten zufolge war in der Nacht eine Revolte gegen mutmaßlichen sexuellen Missbrauch durch das Personal sowie schlimme Lebensbedingungen ausgebrochen.

Die Regierung ordnete dreitägige Staatstrauer an. "Die Regierung bedauert den Tod der Mädchen und Jugendlichen zutiefst", hieß es in einer Stellungnahme. Die Nationalflaggen im ganzen Land wurden auf halbmast gesetzt und öffentliche Veranstaltungen abgesagt.

Viele Verletzte

Viele Verletzte waren in kritischem Zustand. "Sie haben Verbrennungen zweiten und dritten Grades erlitten", sagte der Direktor des Roosevelt-Spitals in Guatemala-Stadt, Carlos Soto, der Zeitung "Prensa Libre". "Die Verbrennungen, die ich gesehen habe, betreffen 50 Prozent der Körperoberfläche."

Die Jugendeinrichtung wird von der staatlichen Wohlfahrt betrieben. In dem Haus leben Kinder und Jugendliche, die wegen häuslicher Gewalt aus ihren Familien genommen wurden. Allerdings wurden zuletzt auch kriminelle Jugendliche in der Einrichtung untergebracht. Das führte zu erheblichen Spannungen.

Gemeinsame Unterbringung Fehler

Die gemeinsame Unterbringung sei ein Fehler, sagte Sozialminister Carlos Rodas. Die Chefjuristin der Regierung, Anabella Morfin, verwies darauf, ihre Behörde habe zuletzt bei zwei Richtern um die Verlegung besonders auffälliger Jugendlicher gebeten. Die Genehmigung sei aber nicht erteilt worden. "Diese Tragödie hätte verhindert werden können", sagte Morfin.

Zuletzt hatten sich die Minderjährigen über schlechte Behandlung durch die Betreuer und schlechtes Essen beschwert. Nach Angaben einiger Parlamentarier gab es seit 2015 Hinweise darauf, dass Jugendliche aus der Einrichtung als Prostituierte rekrutiert wurden.

Das UNO-Kinderhilfswerk Unicef bedauerte das Unglück. "Diese Mädchen, Buben und Jugendliche müssen beschützt werden", schrieb die Organisation auf Twitter. Der Generalsekretär der Organisation Amerikanischer Staaten, Luis Almagro, forderte eine rasche Aufklärung des Vorfalls.

Die Generalstaatsanwaltschaft leitete eine Ermittlung ein. "Der Vorfall ist sehr bedauerlich. Als Staat müssen wir uns fragen: Was tun wir?", sagte Generalstaatsanwältin Thelma Aldana. Der Kongress forderte die verantwortlichen Beamten zum Rücktritt auf. Zudem beantragten die Abgeordneten die Schließung des Heims. (APA, 10.3.2017)

  • Blumen wurden im Gedenken an die Opfer niedergelegt.
    foto: reuters/saul martinez

    Blumen wurden im Gedenken an die Opfer niedergelegt.

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