Entwicklung der Augen ebnete den Weg vom Wasser ans Land

Video8. März 2017, 15:53
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Kurz bevor die ersten Wirbeltiere das Wasser verließen, verbesserten sich ihre Sehfähigkeiten um das Vielfache

Chicago – Wann genau die ersten Wirbeltiere das Wasser verließen, um fortan an Land ihr Auskommen zu finden, ist nach wie vor unklar. Die ältesten einem zumindest teilweise an Land lebenden Vierfüßer zugeschriebenen Trittspuren wurden jedenfalls auf ein Alter von 397 Millionen Jahre datiert. Bisher gingen Paläontologen davon aus, dass die allmähliche Verwandlung von Flossen in Beine eine wesentliche Rolle beim Landgang spielte, doch möglicherweise hatten die Augen bei dieser Entwicklung einen noch viel größeren Einfluss.

Das zumindest behauptet nun ein Team um Malcolm A. MacIver von der Northwestern University in Illinois und Lars Schmitz von den Claremont Colleges in Kalifornien im Fachjournal "PNAS". Die Evolutionsbiologen stellten bei der Untersuchung von Fossilien aus dem späten Silur und dem frühen Devon fest, dass sich bei zahlreichen Wirbeltierarten die Größe der Augen unmittelbar vor dem Wechsel vom Wasser zum Land nahezu verdreifacht hat. Gleichzeit wanderten die Sehorgane von den Seiten des Kopfen nach oben.

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Video: Warum das Sehvermögen den Landgang begünstigt haben könnte.

Bessere kognitive Fähigkeiten

"Wir entdeckten bei Wirbeltieren aus der Ära kurz vor dem Landgang einen enormen Zuwachs der visuellen Kapazität. Nach unserer Hypothese sahen diese Tiere außerhalb des Wassers einen Überfluss an Nahrung – Tausendfüßer, Spinnen, Insekten – und das könnte die Evolution zusätzlich vorangetrieben haben", meint MacIver. Außerdem dürfte diese Entwicklung den Anstoß zu einer Verbesserung der kognitiven Fähigkeiten geführt haben.

Nach dieser These liefern größere Augen unter Wasser keinen besonderen Vorteil. Der Blick über die Wasseroberfläche dagegen erschließt gleichsam völlig neue Welten – alleine schon deshalb, weil man über Wasser bis zu 70 Mal weiter sehen kann als unter Wasser. Dass sich die Vergrößerung der Augen Jahrmillionen vor den ersten Schritten an Land vollzogen hatte, könnte daher ein Hinweis auf die wahre Triebfeder für den Landgang sein, meinen die Wissenschafter. (red, 8.3.2017)

  • Der Tiktaalik zählte zu den frühen amphibienähnlichen Wirbeltieren, die im Devon vor 385 Millionen Jahren vermutlich noch hauptsächlich im Wasser lebten. Seine großen, an der Kopfoberseite angeordneten Augen ließen ihn aber vermutlich viele schmackhafte Gliedertiere erspähen, die bereits an Land lebten.
    illustr.: malcolm maciver, northwestern university

    Der Tiktaalik zählte zu den frühen amphibienähnlichen Wirbeltieren, die im Devon vor 385 Millionen Jahren vermutlich noch hauptsächlich im Wasser lebten. Seine großen, an der Kopfoberseite angeordneten Augen ließen ihn aber vermutlich viele schmackhafte Gliedertiere erspähen, die bereits an Land lebten.

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