Wenn studentische Schulden zum Investment werden

14. März 2017, 09:00
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Großbritannien bereitet als erstes Land die Teilprivatisierung von Studierendenkrediten vor

London/Wien – Als der britische Universitätsminister Jo Johnson Anfang Februar seinen Plan vorstellte, einen Teil der Anteile, die die britische Regierung an Studierendenkrediten hält, an private Investoren zu verkaufen, war es ein weiterer Schritt in einem Prozess, der seit zehn Jahren läuft.

Schon 2008 hatte die von der Labour Party geführte Regierung ein Gesetz verabschiedet, um den Verkauf von Anteilen an einkommensabhängigen Studierendenkrediten zu ermöglichen. Der britische Plan könnte daher zum Modell für andere Länder werden, deren Finanzierung der tertiären Bildung ebenfalls auf Krediten beruht.

Johnsons Plan sieht vor, dass die Regierung Studierendenkredite im Wert von vier Milliarden Pfund (4,6 Milliarden Euro) an private Investoren verkauft – das betrifft die Kredite einer halben Million Studierender, die mit ihren Rückzahlungen zwischen 2002 und 2006 begonnen haben.

Kein Effekt für Rückzahlung

Johnson versicherte den Kreditnehmern, dass der Deal "keinen Effekt" auf die Rückzahlungsverpflichtungen hätte: Laut den aktuellen Bestimmungen müssen die Kredite erst zurückgezahlt werden, wenn das Jahreseinkommen umgerechnet 20.250 Euro übersteigt. Darüber hinaus müssen Kreditnehmer neun Prozent ihres Gehalts aufwenden, um den Kredit zu bedienen. Insgesamt lässt sich daher nicht mit Sicherheit sagen, wie viel die Kredite tatsächlich wert sind.

Als Johnson die Entscheidung bekanntgab, tat er dies mit dem Hinweis auf die öffentlichen Finanzen: "Diese Regierung verpflichtet sich dazu, die öffentlichen Finanzen unter Kontrolle zu bringen." Den Verkauf will der Universitätsminister erst dann fortsetzen, wenn die britischen Steuerzahler davon profitieren.

Dennoch wird die Entscheidung kontrovers aufgenommen, und da noch kein Land zuvor einen derartigen Deal beschlossen hat, fehlen internationale Vergleichswerte. Die Vizepräsidentin der britischen Studierendenvertretung National Union of Students, Sorana Vieru, warnte davor, dass der Deal der Beginn eines Prozesses sein könnte, in dem die Studierendenkredite immer attraktiver für private Investoren gemacht werden – auf Kosten der studentischen Schuldner: "Die Regierung will unsere Bildung verscherbeln, und das ist erst der erste Schritt." (Tanja Traxler, 14.3.2017)

  • Großbritannien will die Teilprivatisierung von Studierendenkrediten forcieren.
    foto: apa/afp/odd andersen

    Großbritannien will die Teilprivatisierung von Studierendenkrediten forcieren.

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