Prozess um die falschen Pässe des Königs von Malta

8. März 2017, 18:33
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Zwei Brüder haben sich mit Diplomatenpässen des Malteser Ritterordens ausgewiesen. Sie waren nicht echt – was die beiden nicht wussten

Wien – Vielleicht ist Schlagersänger Jürgen Drews schuld, dass sich Cemal und Ugur K. vor Richterin Christina Salzborn verantworten müssen. Der hat sich schließlich musikalisch zum König von Mallorca erklärt, man könnte also glauben, dass es mehr seltsame Monarchen gibt. Die beiden Brüder sitzt jedenfalls hier, weil sie mit falschen Pässen erwischt worden sind. Ausgestellt vom König von Malta.

Aufgeflogen sind der 33-jährige Erstangeklagte und sein 26 Jahre alter Bruder, als sie bei einer Verkehrskontrolle die Falsifikate der Polizei gaben. Wobei – beide beteuern auch jetzt noch, dass die Dokumente echt seien und sie dem Malteser Ritterorden angehören. Das demonstrieren sie auch mit kleinen Orden, die sie sich ans Revers geheftet haben. An rotem Band hängt das Malteserkreuz.

Amüsierte Richterin

Salzborn tut sich etwas schwer, komplett ernst zu bleiben. Schließlich hat sie noch nie einen derartigen Fall verhandelt. "Wie sind Sie denn zu den Pässen gekommen?", fragt sie Cemal K., der ebenso wie sein Bruder drei Vorstrafen hat. "Über unseren Vater. Der lebt in der Slowakei und ist der Vizepräsident der Wirtschaftskammer von Malta", antwortet er.

Auch der Vater habe daher einen derartigen Diplomatenpass, ausgestellt vom "Order of St. John of Jerusalem – King of Malta". Der Angeklagte übergibt der Richterin sogar ein Schreiben der Organisation, in dem ihre Mitgliedschaft bestätigt wird.

Überhaupt sei die Sache sehr feierlich gewesen. "Wir waren in einem Schloss in der Slowakei, da war der Prinz oder König von Malta selbst dort. Er hat uns mit einem Schwert zum Ritter geschlagen", beteuert der Erstangeklagte. Dann legt er Salzborn den Pass sogar vor. Die gesteht zu, dass er täuschend echt wirkt.

Zwei Pässe bei Reisen

"Haben Sie den auch schon einmal verwendet, wenn Sie das Land verlassen haben?", interessiert sie. "Ja. Da zeigen wir entweder den türkischen Pass vor oder den", behauptet der Erstangeklagte.

Etwas bockig wird er, als der Staatsanwalt nach dem Aufenthaltsort des Vaters fragt. "Der ist Geschäftsmann in der Slowakei", lautet die Antwort, nähere Details will er nicht preisgegeben. Eine zweite Frage hat der Ankläger auch: "Wieso haben Sie der Polizei eigentlich den Diplomatenpass gezeigt? Was ist denn der Vorteil?" – "Dass man besser behandelt wird." – "Nicht vielleicht wegen der Immunität? Wissen Sie, was das ist?" – "Ja, aber ich kann es nicht erklären."

Für Salzborn naht dann der Höhepunkt ihres Arbeitstages. "Jetzt bin ich gespannt auf den Herrn Kanzler", kündigt sie einen Zeugen an. Der natürlich nicht Christian Kern ist, sondern Richard Steeb, Kanzler des echten Malteser Ritterordens in Österreich.

35 betrügerische Organisationen

Dieser erklärt, dass es weltweit 35 Organisationen gibt, die gefälschte Dokumente – bis hin zu Nummerntafeln – verkaufen. Einige seien durchaus professionell gemacht, ob die Käufer tatsächlich wissen, dass sie Betrügern aufsitzen, kann er nicht beurteilen. Gerade in der Slowakei würden derzeit vermehrt Pässe ausgestellt, polizeiliche Ermittlungen laufen.

"So gesehen sind wir dann betrogen worden", kann es Cemal K. kaum glauben. Sein Bruder ist anderer Meinung: "Ich akzeptiere nicht, was der Zeuge sagt. Es sind echte Dokumente", beharrt er.

Am Ende glaubt die Richterin den beiden, dass sie nicht wussten, dass sie übers Ohr gehauen wurden. "Da ist ein unglaubliches Brimborium abgezogen worden, mit Ritterschlag im Schloss", gesteht sie zu. "Ich kann nicht sicher sagen, dass Sie wussten, dass es Fälschungen sind", begründet sie den nicht rechtskräftigen Freispruch. "Aber ab jetzt wissen Sie es und verwenden nur noch Ihren türkischen Reisepass", ermahnt sie das Duo noch. (Michael Möseneder, 8.3.2016)

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