Angeblicher Sohn von ermordetem Kim-Halbbruder meldet sich zu Wort

8. März 2017, 13:18
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Malaysias Regierungschef schließt Abbruch der Beziehungen zu Nordkorea aus

Pjöngjang/Seoul – Gut drei Wochen nach der Ermordung des Halbbruders von Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un hat sich offenbar erstmals ein Familienmitglied zu Wort gemeldet: Auf der Videoplattform YouTube wurde am Mittwoch ein Video hochgeladen, auf dem der Sohn des Ermordeten zu sehen sein soll. Der junge Mann sagt auf Englisch: "Ich heiße Kim Han-sol, bin aus Nordkorea und gehöre zur Familie Kim."

Der junge Mann hält einen nordkoreanischen Diplomatenpass in die Kamera, seine persönlichen Angaben sind allerdings mit einem schwarzen Balken verdeckt. "Mein Vater wurde vor ein paar Tagen getötet", sagt der junge Mann in dem 40 Sekunden langen Video. Er sei gerade bei seiner Mutter und seiner Schwester. Dann wird der Ton ausgeschaltet und der Mund ebenfalls mit einem Balken verdeckt.

Ein Sprecher des südkoreanischen Geheimdienstes sagte, bei dem Mann auf dem Video handle es sich "tatsächlich" um Kim Han-sol. Weitere Einzelheiten, etwa zum Aufenthaltsort des Neffen von Nordkoreas Machthaber, wollte er nicht nennen. Wann und wo das Video gedreht wurde, ist ebenfalls unklar.

Anschlag mit Nervengift

Der 45-jährige Kim Jong-nam war am 13. Februar in Malaysia ermordet worden. Zwei junge Frauen werden beschuldigt, am Flughafen von Kuala Lumpur einen Anschlag mit dem Nervengift VX auf Kims älteren Halbbruder verübt zu haben. Malaysia warf Nordkorea vor, hinter dem Attentat zu stecken, um ein missliebiges Familienmitglied loszuwerden. Pjöngjang weist das zurück.

Kim Han-sol ist 21 Jahre alt und lebte mit seinen Eltern in der chinesischen Sonderverwaltungszone Macau. Er soll an der Pariser Universität Science Po studiert haben. Nach dem Tod seines Vaters tauchte er mit seiner Mutter und seiner Schwester ab. Experten warnen bereits, dass der 21-Jährige als Mitglied der nordkoreanischen Herrscher-Familie zur nächsten Zielscheibe seines Onkels werden könnte.

Rückkehr nach Nordkorea

2012 hatte der damalige Schüler ein Interview gegeben, in dem er durchblicken ließ, dass er seine Zukunft durchaus in Nordkorea sieht: "Ich habe immer davon geträumt, eines Tages zurückzugehen und die Dinge besser zu machen, es allen Menschen dort leichter zu machen," sagte Kim Han-sol. Auf die Frage, warum sein Vater nicht Machthaber wurde, sagte er, dieser habe sich "nie wirklich für Politik interessiert".

Das Video wurde auf der YouTube-Seite der bisher unbekannten Gruppe Choellima Civil Defense (CCD) hochgeladen. Sie behauptet auf ihrer erst am Samstag registrierten Internetseite, drei Familienmitglieder Kim Jong-nams an einen unbekannten Ort gebracht zu haben. Sie wurden demnach mit Hilfe von Diplomaten aus den Niederlanden, den USA und China sowie einem vierten ungenannten Land in Sicherheit gebracht.

CCD war nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Auch der südkoreanische Geheimdienstsprecher konnte keine Angaben zu der Gruppe machen.

Die Ermordung Kim Jong-nams hat zu einer schweren diplomatischen Krise zwischen Malaysia und Nordkorea geführt. Kuala Lumpur und Pjöngjang wiesen gegenseitig ihre Botschafter aus. Am Dienstag verbot Pjöngjang allen malaysischen Staatsangehörigen vorübergehend die Ausreise aus Nordkorea, Malaysia konterte mit einer Ausreisesperre für alle Nordkoreaner.

Einen Abbruch der Beziehungen zu Nordkorea schließt Malaysias Regierungschef Najib Razak aber aus. Die diplomatischen Beziehungen müssten aufrechterhalten werden, weil sie als Kommunikationskanal und als "Mittel für Verhandlungen" wichtig seien, sagte Najib am Mittwoch vor Journalisten. (APA, 8.3.2017)

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