Nestlé schließt Werk in Linz: Verhandlungen über Arbeitsstiftung laufen

8. März 2017, 11:11
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An den Kosten werden sich das Unternehmen, das AMS und das Land Oberösterreich beteiligen

Linz – Nachdem am Dienstag bekanntgeworden ist, dass das Nestlé-Werk in Linz binnen Jahresfrist zusperren wird und damit 127 Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz verlieren, wird in der oberösterreichischen Landeshauptstadt an einer Lösung für eine Arbeitsstiftung gearbeitet.

Wie genau die Sozialstiftung, an der sich das Unternehmen, das Arbeitsmarktservice (AMS) und das Land Oberösterreich beteiligen werden, aussehen wird, das wird gerade verhandelt, heißt es aus dem Büro des Wirtschaftslandesrates Michael Strugl (ÖVP). Fest stehe nur, dass es möglichst schnell gehen müsse. Eine Einigung, dass sich das Unternehmen an den Kosten der Stiftung beteiligen werde, gebe es zudem schon.

Sozialplan in Arbeit

Bei Nestlé werde intern auch gemeinsam mit dem Betriebsrat an einem Sozialplan gearbeitet, sagt Firmensprecherin Angela Teml. Mit den Mitarbeitern vom Linzer Standort würden individuelle Lösungen erarbeitet. Auch seitens der Gewerkschaft wünscht man sich die Doppellösung mit Sozialplan und Arbeitsstiftung und geht von einer raschen Einigung aus. Wichtig sei, neben dem Geld Weiterbildungen und Umschulungen anbieten zu können, damit die Mitarbeiter einen neuen Job finden. Das gelte vor allem, aber nicht nur für ältere Mitarbeiter.

Die Mitarbeiterstruktur des Linzer Werks stellt sich laut Gewerkschaft folgendermaßen dar: Von den 127 Mitarbeitern sei ein Drittel über 50; knapp die Hälfte weiblich; knapp mehr als die Hälfte Migranten. Zudem gebe es sehr viele Langzeitbeschäftigte, also Personen, die länger als sieben Jahre im Unternehmen sind.

Fehlende Nachfrage

In der Linzer Fabrik wurden "kulinarische Pulverprodukte" hergestellt, vor allem Suppen, Saucen und Desserts in Großgebinden für Gastronomie und Hotellerie, erklärt Teml. Es gebe ein geändertes Konsumverhalten und damit auch weniger Nachfrage, deswegen sei die eigene Fabrik für diese Produkte aus Konzernsicht nicht mehr nötig. Die Produktion der Trockenprodukte wird aus Linz wahrscheinlich zum Großteil in die Slowakei und nach Serbien verlagert, Teile der Produktion dürften auch nach Italien wandern. Eine finale Entscheidung gebe es aber noch nicht, sagt Teml. Mit der Werksschließung sperrt der letzte österreichische Produktionsstandort von Nestlé zu. Zum Konzern gehören zum Beispiel auch die Nespresso-Shops mit mehreren Standorten in Österreich.

Für den Standort Linz sei die Werksschließung ein Verlust, vor allem für die Mitarbeiter, die ihren Job verlieren, heißt es aus dem Büro des Wirtschaftslandesrates. Die Abwanderung eines Traditionsbetriebes – die Nestlé-Fabrik eröffnete 1879 in Linz – sei zudem ein Verlust für den Standort.

Im vergangenen Jahr schrumpfte der Gewinn von Nestlé bei einem Umsatz von 83,6 Milliarden Euro unter anderem wegen eines Steuereffekts auf 7,9 Milliarden Euro. Die Aktionäre durften sich dennoch über eine etwas höhere Dividende von 2,15 Euro je Aktie freuen. Seit Jahresbeginn ist mit Ulf Mark Schneider ein neuer Nestlé-Chef am Ruder. Er kündigte schon bei Amtsantritt an, dass er den Konzern bis zum Ende des Jahrzehnts wieder auf Touren bringen wolle. Unter anderem auch mit Einsparungen. (roda, 8.3.2017)

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