Richtig durchdrehen mit dem Kreiselmacher aus Oberösterreich

8. März 2017, 13:52
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Der Tischler Klaus Mader setzt auf Handarbeit und beliefert die ganze Welt mit seinen Holzkreiseln

Linz – Wer Klaus Mader sucht, muss eigentlich nur einem durchaus aufdringlichen Geräusch folgen. Vorbei an den diversen Stapeln heimischer Harthölzer hin zu einer kleinen Werkstatt. Im Inneren regnet es dort Ahornspäne, und der Holzstaub flirrt im Sonnenlicht. Geschuldet ist dieses Stimmungsbild harter Handarbeit einer höchst aktiven und vor allem lauten Drechselmaschine. Und dahinter eben Klaus Mader. Mit stoischer Ruhe bearbeitet der gelernte Tischler Kantholz um Kantholz. Lärm und absolute Konzentration sorgen dafür, dass es ein wenig dauert, bis Werkstattfremden ein wenig Aufmerksamkeit zuteilwird.

18 Mitarbeiter

Klaus Mader gönnt der Drechselmaschine dann doch eine Auszeit und sich selbst einen Kaffee – serviert von Ehefrau Margit. Man mag angesichts des Maschinennachhalls im Gehörgang den nächsten Satz des stillen Holzfachmannes kaum glauben, aber: "Drechseln hat für mich etwas Meditatives." 1997 ist das Ehepaar von Innsbruck ins oberösterreichische Neumarkt am Hausruck gezogen. Mit einer Idee im Gepäck: mit handgefertigten Holzkreiseln am Spielzeugmarkt so richtig durchzustarten.

Heute führt das Ehepaar die Kreiselmanufaktur mit 18 Teilzeitkräften – und fertigt 120.000 Holzkreisel pro Jahr. "Rund 100 verschiedene Modelle haben wir heute im Sortiment", erzählen die Maders im STANDARD-Gespräch. Verkauft wird weltweit an Spielwarengroßhändler und in zwei eignen Holzspielzeuggeschäften in Neumarkt und Bad Ischl. Der Jahresumsatz liegt derzeit bei rund 350.000 Euro.

Vor allem die Japaner seien "ganz narrisch" auf Holzkreisel. "Aber natürlich wissen wir, dass wir in einer absoluten Nische produzieren. Drei Prozent des gesamten Spielzeugmarkts macht das Holzspielzeug aus. Mit unseren Kreiseln sind wir also eine Nische in der Nische", lacht Klaus Mader. Aber es sei einfach etwas Wunderbares: "Kreisel sind eines der ältesten Spielzeuge – und ein Kulturgut, das es weltweit gibt."

Seinen Umsatz könnte der Spielzeugspezialist übrigens, zumindest was die Nachfrage betrifft, deutlich steigern. Aber: "Kaum wer kann das Kreiselhandwerk. Ich würde mir sofort noch zwei Drechsler einstellen, doch es gibt sie einfach nicht." Zuletzt mussten die Maders deswegen gar einen Auftrag aus Japan in der Höhe von 200.000 Euro ausschlagen. "Ich kann diese Mengen allein nicht produzieren", so Mader. Die letzten Silben schluckt da aber schon wieder die Drechselmaschine. Mit einer unglaublichen Fingerfertigkeit führt der Tischler die Schnitzeisen über das rotierende Holz. Und in gut zwei Minuten ist aus dem groben Keil ein feinverzierter Kreisel geworden. Wichtig sei das richtige Holz: "Die Maserung muss symmetrisch sein. Zirbe geht zum Beispiel nicht – da eiert der Kreisel."

Doch wo gehobelt wird, fallen im Holzkreiselgeschäft nicht nur Späne, es werden auch kuriose Ideen geboren. Vor drei Jahren haben die Maders im aufgelassenen Postamt von Neumarkt Österreichs einziges Kreiselmuseum eingerichtet. Über 1000, teils ex trem seltene und teure Exponate finden sich dort: "Es ist wie eine Sucht." Aber erst wenn sich ihre Welt ordentlich dreht, sind die Maders eben so richtig glücklich. (Markus Rohrhofer, 8.3.2017)

  • Klaus Mader meditiert gern an der Drechselmaschine – und das Ergebnis der durchaus lauten Entspannungsrunden kann sich mit rund 120.000 Kreiseln im Jahr durchaus sehen lassen.
    foto: werner dedl

    Klaus Mader meditiert gern an der Drechselmaschine – und das Ergebnis der durchaus lauten Entspannungsrunden kann sich mit rund 120.000 Kreiseln im Jahr durchaus sehen lassen.

  • 2014 eröffnete Mader Österreichs bislang einziges Kreisel-Museum mit über 1000 Exponaten
    foto: werner dedl

    2014 eröffnete Mader Österreichs bislang einziges Kreisel-Museum mit über 1000 Exponaten

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