Figurentheaterfestival: Die die Puppen tanzen lassen

8. März 2017, 06:00
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Nikolaus Habjan, Christoph Bochandsky u. a. zeigen Stücke für Groß und Klein

Die 26. Auflage des Welser Figurentheaterfestivals bietet unter der künstlerischen Leitung von Gerti Tröbinger ein vielfältiges Programm für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Etwa die Produktion Der Bär geht zum Försterball des deutschen theater 1, die auf einem DDR-Kinderbuchklassiker des Autors Peter Hacks basiert: Bad Losungen, am Tag des großen Försterballs: Schmolke, ein Bär, der leidenschaftlich gern Fontane liest und schon einmal einen über den Durst zwitschert, will zum Kostümfest gehen und sucht nach einer passenden Verkleidung.

Er zieht Gamsbarthut, Stiefel und Wams an und gerät so tatsächlich durch Zufall wirklich auf den Försterball. Und niemand erkennt Meister Petz in seinem grünen Kostüm. Eine Variation von Kleider machen Leute und dem Hauptmann von Köpenick, die in dem mehrfach mit Theaterpreisen ausgezeichneten Stück – ganz im Sinne von Hacks – die satirischen Elemente der Fabel betont und so auch Erwachsene anspricht.

Sinnieren über den Geniekult

Ein gerngesehener Gast beim Figurentheaterfestival ist der heimische Puppenspieler Christoph Bochdansky, der in seiner dritten gemeinsamen Produktion mit der Stuttgarter Gruppe Wilde und Vogel über Faszination und Ursachen des Geniekults sinniert. Die Empfindsamkeit der Giganten ist ein theatraler Roadtrip Richtung Hölle. Einen Märchenklassiker der Brüder Grimm hat Bochdansky zudem mit seiner Landsfrau Ruth Humer bearbeitet: In Rumpelstilzchen geht es um Geldgier, um Wut, um Angeberei und natürlich um andere lächerliche Eigenschaften, die manche Menschen nicht loswerden und immer wieder zur Schau stellen, als wären sie Goldes wert.

"Herr Karl" mit Habjan

Im satirischen Monolog Der Herr Karl von Carl Merz und Helmut Qualtinger lässt ein gemütlicher Magazineur aus der Wiener Vorstadt in einer weinerlich-bösen Suada seinen Anteil an der heimischen Zeitgeschichte des 20. Jahrhunderts Revue passieren und liefert so ein wenig schmeichelhaftes Abbild vom ebenso gemeinen wie gefährlichen Charakter eines Durchschnittsösterreichers.

In der Puppenspielfassung des Schubert-Theater Wien schlüpft Nikolaus Habjan in die diversen Rollen des Protagonisten. Eher an ein jüngeres Publikum (und dies ab sechs Jahren) wendet sich der Slowene Peter Kos, der in seiner Klangküche den Geschmack von Speisen tatsächlich in Töne übersetzt. Im Anschluss an die Vorstellung gibt es einen "Kochkurs", bei dem die Teilnehmer auch eigene Instrumente basteln können. (dog, 8.3.2017)

9.-15.3., Wels, Stadttheater, Programmkino, Alter Schlachthof, Kornspeicher, Minoriten. Festivalhotline & Reservierung: 0664/495 06 85

www.figurentheater-wels.at

  • Rumpelstilzchen kommt auch zum Festival.
    foto: figurentheater

    Rumpelstilzchen kommt auch zum Festival.

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