Modellprojekt zur Suche nach NS-Raubkunst aus Mosse-Sammlung

    7. März 2017, 16:00
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    1934 versteigerten die Nazis die legendäre Kunstsammlung des Berliner Verlegers – bis heute schlummern zahllose Werke daraus unerkannt in deutschen Museen und sollen nun aufgespürt werden

    Berlin – Die von den Nazis zerschlagene Kunstsammlung des deutsch-jüdischen Verlegers Rudolf Mosse (1843-1920) soll in einem bisher einmaligen Gemeinschaftsprojekt erforscht werden. Erstmals arbeiten dafür die Nachfahren der Opfer mit den heutigen, unfreiwilligen Nutznießern zusammen. Unter Federführung der Freien Universität Berlin (FU) sind mehrere Institutionen und die Mosse-Stiftung beteiligt.

    "Es geht um die Wahrheit und es geht um die Konsequenzen aus der Wahrheit", sagte der Stiftungspräsent und Erbenvertreter Roger Strauch am Dienstag in Berlin. "Unser Ziel ist es, tiefergehende Beziehungen zu öffentlichen und privaten Institutionen zu entwickeln, um unseren Restitutionsbemühungen zum Erfolg zu verhelfen."

    Mehrere Tausend Arbeitend

    Rudolf Mosse, mächtiger Chef eines Zeitungsimperiums und Verleger des linksliberalen "Berliner Tageblatts", hatte vor 1933 eine der wichtigsten Kunstsammlungen in Deutschland aufgebaut. Nach der NS-Machtübernahme wurde sie zerschlagen, die Familie musste nach Amerika flüchten. Viele Werke hängen inzwischen in öffentlichen Museen oder privaten Wohnzimmern.

    "Es geht um mehrere tausend Positionen, von denen wir bis heute nur einen Bruchteil kennen", sagte Meike Hoffmann von der FU-Forschungsstelle "Entartete Kunst", die das Projekt koordiniert. Jetzt gehe es darum, die Sammlung zu rekonstruieren und die Verlustgeschichte zu erforschen. Bisher hat die Erbengemeinschaft nur gut ein Dutzend Objekte zurückerhalten, neun davon von der Stiftung Preußischer Kulturbesitz.

    "Glücksfall" für Provenienzforschung

    Deren Präsident Hermann Parzinger nannte das neue Recherche-Projekt einen "Glücksfall" für die Provenienzforschung. Generalsekretärin Isabel Pfeiffer-Poensgen von der ebenfalls beteiligten Kulturstiftung der Länder sprach von einem "Modell für die Zukunft".

    Die Erben wollen nach Angaben ihres Sprechers Strauch die Sammlung nicht wieder aufbauen, sondern teils verkaufen, teils aber auch den Museen zu günstigeren Bedingungen überlassen.

    "Es ist nicht leicht, zu einem derzeitigen Nutzer von Raubkunst hinzugehen und zu sagen, das gehört uns", so der Stief-Urenkel von Rudolf Mosse. "Das ist nicht lustig, das ist nicht angenehm, aber es ist wichtig, weil diese Kunst nicht ihnen gehört, sondern den Erben der Familie." (APA, 7.3.2017)

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