Reinhard Nowak: Ein Commissario hat den Blues

    9. März 2017, 07:31
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    Der Kabarettist und Schauspieler gibt in seinem neuen Solo "Commissario Nowak" den gescheiterten Polizisten

    Wien – "Drah di net um, der Kommissar geht um", singt Falco, und Commissario Nowak schwingt lässig die Hüfte. Der Kommissar mit der höchsten Aufklärungsquote des Reviers sei er. Doch dann – die Platte hängt. Und auch das Bild vom knallharten Ermittler beginnt zu bröckeln.

    So viele Fälle hat der Ermittler mit dem großen Ego und dem schlechten Zielvermögen dann nämlich gar nicht gelöst. Die Chefin droht mit dem Waffeneinzug und überlässt ihn entnervt seinem bisher schwierigsten Fall: der Fahndung nach der Dummheit. "Weit kann sie nicht sein", schlussfolgert Nowak und begibt sich für die Suche zielsicher in seine Stammkneipe.

    Fast tragikomisch sind die nächsten zwei Stunden, in denen der Commissario bei viel Rum in Selbstgesprächen wehmütig von seinen Fällen erzählt. Reinhard Nowak kauft man die Rolle des gescheiterten Kommissars problemlos ab. Vielleicht weil er sie so, oder so ähnlich, schon oft gespielt hat. Auch im TV verkörpert er sie regelmäßig, die sympathischen Antihelden.

    1986 begann die Kabarettkarriere des damals 22-Jährigen in der Gruppe Schlabarett mit Schulfreund Roland Düringer, Alfred Dorfer und Andrea Händler. Schließlich fasste Nowak auch im TV Fuß und spielte unter anderem in Komm, süßer Tod den verklemmten Rettungsfahrer Hansi Munz und in Die Lottosieger den Geldtransportfahrer Rudi, der zum Lottomillionär wird.

    Obwohl Nowak in Commissario Nowak bei Bedarf gut improvisiert, wirken die Themen insgesamt zu sprunghaft und schnell abgefertigt. Feinsinnigen Humor besitzt der Commissario nicht. Szenen wie die Zeugenbefragung von Bürgermeister Häupl am Häusl kommen dann doch zu platt daher. Ähnliche Toilettenwitze ziehen sich mühsam durch das ganze Programm.

    Nichts mehr zu lachen

    Fast erahnen lässt sich auch, dass das fünfköpfige Kernteam des Abends ausschließlich männlich ist. Witze wie die Annahme, dass die Giftpräferenz von Mörderinnen mit dem Naheverhältnis der Frau zur Küche zu tun hat, hätte man sich sparen können.

    Wo die Dummheit ihr Basislager errichtet hat, kann schließlich auch Commissario Nowak nicht ausmachen. Nach einer halben Flasche Rum wird er dann beinahe philosophisch. Es wäre doch eigentlich eh irgendwie fad, wenn alle g'scheit wären, findet der Commissario. "Dann hätte man doch nichts mehr zu lachen." (Eva Walisch, 9.3.2017)

    Am 17.3. und 6.4. im Orpheum Wien

    • Nowak als Kommissar, der gerne einen über den Durst trinkt.
      foto: antonia renner

      Nowak als Kommissar, der gerne einen über den Durst trinkt.

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