Lance Stroll: Wunderkind oder Crashpilot?

7. März 2017, 11:42
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Der 18-jährige Kanadier tritt in der frischen Saison für Williams an. Bei seinen ersten Ausfahrten erarbeitet er sich den Ruf als "Crash Kid" – doch es gab wohl nie einen Rookie, der so aufwendig auf seine Formel-1-Karriere vorbereitet wurde

Barcelona – Vielleicht sollte Lance Stroll seinen Namen in diesen Tagen nicht in einer Internet-Suchmaschine eingeben. Berichte über die teuren Unfälle des Formel-1-Neulings gibt es zuhauf, und nach den ersten Testfahrten des kanadischen Milliardärssohns wird vielfach eine Frage gestellt: Sitzt da im Williams-Boliden tatsächlich das angekündigte "Wunderkind"? Oder muss sich die Königsklasse auf ein neues "crash kid" einstellen?

Dreimal an zwei Tagen hatte der 18-Jährige in der vergangenen Woche für Unterbrechungen der Testfahrten in Barcelona gesorgt, vor den weiteren Probeläufen diese Woche waren ihm deshalb Spott und Häme sicher. In den sozialen Netzwerken lief ein wahres Wettrennen um den besten Stroll-Gag, ein User richtete gar eine Website ein, die die Zeit bis zum nächsten Unfall des Rookies zählt. Und so lösten Strolls erste offizielle Ausfahrten in der Formel 1 bei seinen Fahrerkollegen eine Reaktion aus, auf die er wohl gerne verzichtet hätte. Die Kollegen hatten ein wenig Mitleid mit dem Neuling, der von seinem schwerreichen Vater seit Jahren gezielt für die Formel 1 aufgebaut wird.

"Er tut mir leid", sagte Mercedes-Star Lewis Hamilton, "weil es wohl der schwierigste Zeitpunkt ist, um in die Formel 1 einzusteigen." Denn bei aller Häme wurde gerne vergessen, wie schwierig es die für diese Saison aerodynamisch völlig neu konzipierten Boliden einem Rookie machen. "Diese Autos sind nicht einfach zu fahren, sie verzeihen weniger Fehler" , sagte Hamilton. Der Vizeweltmeister sprach allerdings auch den Grund dafür an, warum Stroll besonders genau beäugt wird. "Ich weiß ja", sagte der Engländer, "dass Lance mit Williams schon für Testfahrten um die Welt gereist ist und mehr Vorbereitungszeit als wohl jeder andere Fahrer hatte."

Daddys Plan

Hinter der Karriere des Lance Stroll steckt der äußerst ehrgeizige Plan seines Vaters Lawrence Stroll. Der 57-Jährige, der seine Milliarden mit Modefirmen wie Ralph Lauren und Tommy Hilfiger gemacht hat, kaufte sich unter anderem bei Prema ein, dem besten Formel-3-Team. Die Autos wurden kostenintensiv aufgerüstet, Stroll gewann im Vorjahr überlegen den Titel in der europäischen Formel-3-Meisterschaft. Vor dieser Saison entschied der Vater, dass sein Spross bereit sei für die große Bühne.

Stroll wurde im November als Teamkollege des Finnen Valtteri Bottas und als Nachfolger des zunächst zurückgetretenen Brasilianers Felipe Masse engagiert. Dann wechselte Bottas zu Mercedes, und der 35-jährige Massa wurde von der Fortsetzung seiner Karriere überzeugt.

Das Cockpit bei Williams soll rund 35 Millionen Dollar kosten. Zuvor hatte Stroll seinem Sohn eine ziemlich teure Fahrschule bezahlt. In einem zwei Jahre alten Williams testete Lance Stroll auf der ganzen Welt, lernte den Hybridmotor auf den Strecken in Silverstone, Budapest, Spielberg, Monza und Abu Dhabi kennen. Stroll junior verliert ungern viele Worte über seine Ausbildung.

"Du brauchst zwei Dinge, um in dem Sport nach oben zu kommen", sagt er: "Talent und Geld." Aber sein Vater fahre eben nicht das Auto – "und ich habe alle Meisterschaften gewonnen, die ich bis jetzt gefahren bin". In der Formel 1 soll es auch hoch hinausgehen. Beim Saisonstart in Melbourne (26. März) muss sich Stroll erstmals beweisen. (sid, red, 7.3.2017)

  • Lance Stroll blickt einer schwierigen Debütsaison entgegen.
    foto: apa/afp/jordan

    Lance Stroll blickt einer schwierigen Debütsaison entgegen.

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