Alpenverein warnt vor "Feudalismus" in den Bergen

7. März 2017, 08:00
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In Salzburg konnte der Konflikt um ein geplantes Betretungsverbot beigelegt werden. Im Kärntner Maltatal hingegen wurde ein Eisklettergebiet gesperrt.

Salzburg – Zumindest in Salzburg ist die alpine Welt wieder in Ordnung: Nach einem Krisengipfel haben sich die Vertreter des Nationalparks Hohe Tauern, Landeshauptmannstellvertreterin Astrid Rössler (Grüne) und die alpinen Vereine auf einen Kompromiss geeinigt. Das 9000 Hektar große Sonderschutzgebiet im Bereich der Oberpinzgauer Sulzbachtäler im Gemeindegebiet von Neukirchen am Großvenediger wird zwar kommen, das befürchtete Betretungsverbot für Bergsteiger in dieser Zone aber nicht.

Ausgangspunkt für die Aufregung in Salzburg war ein Verordnungsentwurf aus Rösslers Ressort, laut dem in dem Gebiet alles verboten gewesen wäre außer "die herkömmlichen Formen des Wanderns und Bergsteigens auf den hierfür bestehenden markierten beziehungsweise ausgewiesenen Wegen und Steigen sowie der Tourenskilauf". Damit wären beispielsweise bestehende Routen auf Salzburgs höchstem Berg, dem Großvenediger, praktisch tabu geworden.

Wegefreiheit bleibt

Es hagelte Proteste von Bergführern, alpinen Vereinen, Touristikern und der oppositionellen SPÖ. Nun hat man sich auf die Formel "ausgenommen die herkömmlichen Formen des Wanderns, Bergsteigens und Tourenskilaufens" geeinigt. Die Beschränkung auf markierte Wege wurde gestrichen.

Das entspreche der bisherigen Praxis und Formulierung im bereits bestehenden Wildschutzgebiet, erklärt ein Sprecher Rösslers dazu im STANDARD-Gespräch. Das bedeute, das bereits bestehende Schutzgebiet werde erweitert, die Wegefreiheit werde aber nicht angetastet. Andere Formen der Nutzung – insbesondere die Land- und Forstwirtschaft sowie die Jagd – bleiben verboten.

"Neuer Feudalismus"

Ganz anders präsentiert sich ein ähnlicher Konflikt auf der Südseite des Nationalparks Hohe Tauern. Im Kärntner Maltatal ist ein 64 Hektar großes Jagdgebiet abseits bestehender Wege im Winter gesperrt worden. Damit sind auch die Kesselwände – das Herzstück des Kärntner Eisklettertourismus – nicht erreichbar. Schon jetzt spüre man die Rückgänge in den Übernachtungszahlen, sagt Bürgermeister Klaus Rüscher (Liste für Malta).

Die Sperrzone wurde von der Bezirkshauptmannschaft verhängt, die sich auf wildbiologische Gutachten beruft. Deren Aussagekraft wird von Rüscher freilich bezweifelt. Er spricht von "weisungsgebundenen Beamten", die solche Expertisen erstellen würden. Rüscher und der Alpenverein argumentieren, dass der überhöhte Wildbestand Schuld an den Wildschäden trage und dass das besagte Gebiet im Winter kein Einstandsgebiet sei: "Es ist schon verwunderlich, dass der Besitzer von Tausenden Hektar unberührter Waldfläche genau jene kleine Fläche als 'bevorzugtes Einstandsgebiet' und Wildruhezone durchgeboxt hat, die für Freizeitsportler am attraktivsten ist und vom Wild aufgrund der exponierten Lage gemieden wird." Und im Sommer würden über die angrenzende Malta-Hochalmstraße tausende Fahrzeuge fahren.

Online-Petition

Der Alpenverein warnt in diesem Zusammenhang bereits vor einem "neuen Feudalismus". Rechtlich sind dem Bürgermeister aber die Hände gebunden. Die Standortgemeinden haben in solchen Verfahren keine Parteienstellung.

Der Alpenverein hat jetzt eine Onlinepetition gegen die Sperre des Gebietes gestartet. Er verlangt, bei solchen Verfahren wie jenem in Malta in Zukunft Parteistellung zu erhalten. Im Verfahren von Malta beispielsweise hatte nur der antragstellende Grundbesitzer Parteienstellung. (Thomas Neuhold, 7.3.2017)

Online-Petition des Alpenvereines: www.alpenverein.at/maltatal

  • Das ist die Tafel des Anstoßes: Mit der Ausweisung dieses Wildschutzgebietes wurden im Maltatal  die Kesselwände und damit das wichtigste Eisklettergebiet für die gesamte Saison gesperrt.
    foto: av/rüscher

    Das ist die Tafel des Anstoßes: Mit der Ausweisung dieses Wildschutzgebietes wurden im Maltatal die Kesselwände und damit das wichtigste Eisklettergebiet für die gesamte Saison gesperrt.

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