Medizinstudenten wissen wenig über Impfungen

6. März 2017, 17:19
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Expertin: Befragung von Studierenden in Wien und Innsbruck zeigt Wissenslücken über Immunisierung

Schladming/Wien – Zum Thema Impfen weisen Medizinstudenten beachtliche Wissenslücken auf. Das ergab eine Befragung im deutschsprachigen Raum, wie Ursula Wiedermann-Schmidt vom Institut für Spezifische Prophylaxe und Tropenmedizin der Medizinischen Universität Wien bei der Apothekertagung in Schladming ausführte. Die Befragten hatten schon sechs Semester Medizin studiert, konnten aber zum Beispiel nur rund ein Viertel der Fragen zu Grippe- und HPV-Impfungen (Gebärmutterhalskrebs) beantworten.

In Bezug auf die Masernimpfung hätten viele Studierende zum Beispiel nicht gewusst, wie viele Impfungen es für eine ausreichende Immunität brauche und welche Folgen Masernerkrankungen haben könnten, sagte Wiedermann-Schmidt dem STANDARD. Rund 3800 Fragebögen seien ausgewertet worden, etwa 30 Prozent davon stammten von Studenten der Med-Unis Wien und Innsbruck. Die meisten Teilnehmenden waren aus Deutschland, auch Studierende aus Zürich nahmen teil. Länderspezifika seien dabei keine herausgekommen. Wiedermann-Schmidt berief sich dabei auf im Detail noch nicht publizierte Studienergebnisse.

Ungeimpft für Impfpflicht

Knapp zwei Drittel der Befragten gaben an, sich nie gegen die Influenza immunisieren haben zu lassen. Mehr als ein Drittel fürchtet Nebenwirkungen. Auf der anderen Seite befürworteten aber knapp 89 Prozent der Medizinstudenten eine Impfpflicht für das Gesundheitspersonal. "Das ist ein Hinweis darauf, dass sie sich nicht als Teil des Ganzen sehen", sagt Wiedermann-Schmidt. Darin sieht sie einen generellen Trend: Viele Menschen würden sich nicht als Teil der Gesellschaft wahrnehmen.

Im Zuge eines weiteren Projekts wurde der Wissensstand in der Bevölkerung in der Gemeinde Pöggstall in Niederösterreich erhoben, bei dem durch Einbindung von Hausärzten, Apotheken, Gemeinden und Vereinen der Impfschutz verbessert werden soll.

Auch Bevölkerung befragt

In der dortigen Umfrage mit 618 Teilnehmern zeigte sich laut Wiedermann-Schmidt zum Beispiel, dass nur 18 Prozent wussten, dass bei einem von 1000 Masernfällen eine lebensgefährliche Gehirnentzündung auftritt. Nach Durchsicht der eigenen Impfunterlagen hätten 30 Prozent der Erwachsenen (18 bis 65 Jahre) angegeben, gegen Masern-Mumps-Röteln geimpft zu sein, gegen FSME 55 Prozent und gegen Influenza elf Prozent. Bei den Sechs- bis 15-Jährigen waren die angegebenen Impfraten meist etwas höher. Schüler wünschen sich laut Wiedermann-Schmidt mehr direkte Information über Impfungen. 41 Prozent der Erwachsenen gaben an, Impfungen völlig positiv gegenüberzustehen, 30 Prozent bezeichneten sich als "impfskeptisch" und ein Viertel als "impfkritisch".

Wiedermann-Schmidt führte bei der Apothekertagung auch aus, dass in Österreich in den vergangenen Jahren ein Anstieg der Fälle mit Keuchhusten (Pertussis) registriert wurde. Zudem sei die seit 28. Februar für beendet erklärte Grippewelle eine der stärksten der vergangenen Jahre gewesen, was bei einer Durchimpfungsrate von höchstens zehn Prozent nicht verwunderlich sei – zumal die Zahl ausgegebener Impfstoffe eher auf rund sechs Prozent hindeute. (APA, spri, 6.3.2017)

  • Die Durchimpfungsrate gegen Influenza liegt in Österreich bei unter zehn Prozent.
    foto: dpa/fredrik von erichsen

    Die Durchimpfungsrate gegen Influenza liegt in Österreich bei unter zehn Prozent.

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