Europarat: Missbrauch von Flüchtlingskindern besser aufdecken

6. März 2017, 14:41
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"Von den Mitgliedsländern bekommen wir Zahlen, die lächerlich klein sind"

Straßburg – Sexueller Missbrauch von Flüchtlingskindern bleibt in Europa meist im Verborgenen. Niemand bestreite, dass viele Minderjährige während oder nach ihrer Flucht Opfer von Missbrauch werden, sagte Gioia Scappucci vom Europarat bei der Vorstellung eines Berichts am Montag in Straßburg. Aber von den Mitgliedsländern "bekommen wir Zahlen, die lächerlich klein sind", so ihr Kollege Mikael Poutiers.

Für den Bericht wurden 41 europäische Staaten befragt. Außer der Türkei und Belgien habe quasi kein Land präzise Zahlen genannt, sagte Poutiers. "Die anderen sagen, wir wissen es nicht." Das liege auch daran, dass betroffene Kinder nicht über einen potenziellen Missbrauch reden wollten. "Für sie hat das keine Priorität."

Rund 88.000 Kinder unbegleitet

In Deutschland wird nach Angaben der Bundesregierung der Aufenthaltsstatus von minderjährigen Opfern sexueller Gewalt seit 2016 erfasst. Mitte 2017 soll es erste Zahlen geben.

Der Europarat geht davon aus, dass 2015 mindestens 337.000 Kinder in Europa Asyl beantragten, davon waren 88.300 unbegleitet. Um Flüchtlingskinder besser zu schützen, schlägt der Europarat vor, Helfer einer Sicherheitsüberprüfung zu unterziehen. (APA, dpa, 6.3.2017)

  • Von den EU-Mitgliedsländern kämen Zahlen zum Missbrauch von Flüchtlingskindern, "die lächerlich klein sind", hieß es in Straßburg bei der Vorstellung eines aktuellen Berichts zum Thema.
    foto: apa/sebastian kahnert

    Von den EU-Mitgliedsländern kämen Zahlen zum Missbrauch von Flüchtlingskindern, "die lächerlich klein sind", hieß es in Straßburg bei der Vorstellung eines aktuellen Berichts zum Thema.

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