KSV untermauert Ablehnung von Privatkonkursreform mit Umfrage

6. März 2017, 14:16
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69 Prozent von mehr als 1.000 Unternehmen lehnen Aus für Mindestquote und Verkürzung der Entschuldungsdauer auf drei Jahre ab

Wien – Gläubigerschützer orten im geplanten neuen Privatkonkurs bekanntlich neue Nachteile. Der KSV 1870 hat am Montag nun eine Umfrage präsentiert, wonach die überwiegende Mehrheit der Wirtschaft eine weitere Benachteiligung der Gläubiger ablehnt. Schließlich müssten Gläubiger schon jetzt jährlich eine Milliarde Euro in den Wind schreiben. Jetzt drohe ein noch größerer volkswirtschaftlicher Schaden.

Die geplante Streichung der Mindestquote sowie die Verkürzung der Entschuldungsdauer von sieben auf drei Jahre wird von mehr als zwei Dritteln (69 Prozent) der befragten Unternehmen abgelehnt. Rücklauf erhielt der KSV von mehr als 1.000 Firmen, in erster Linie Klein- und Mittelunternehmen (KMU), wie es auf Anfrage hieß. Ganz besonders ablehnend zeigen sich Unternehmer aus Tirol (77 Prozent) und Vorarlberg (87 Prozent).

Geplante Reform wollen nur 17 Prozent

Insgesamt nur 17 Prozent der Unternehmer wollen die geplante Reform so wie von der Regierung geplant. Daraus schließt der KSV, dass es so scheine, als dass die Unternehmer ein sehr gutes Gefühl für Fairness und Ausgewogenheit hätten. Denn eine Analyse zeige, dass es nur sehr selten arme Menschen seien, die übermäßig Schulden anhäuften. Dies würde oft durch Bonitätsprüfungen verhindert werden. Oft seien es gut verdienende Menschen, die über ihre Verhältnisse lebten, so KSV-Experte Hans Georg Kantner in einer Aussendung. "Überschuldung lässt nicht auf den Vermögensstatus, sondern auf das Verhalten schließen", sagt er Richtung Schuldnerberatern, die sich auf die Reform im Sinne von mehr Chancen für Arme freuen.

Laut Kantner entfallen 45 Prozent der Privatinsolvenzen auf Konsumschuldner – aus Überschätzung der eigenen Leistungskraft, überbordendem Konsumverhalten, Spekulation und Glücksspiel. Da nun die Entschuldungsdauer kürzer werden und die Mindestquote fallen soll, erwarten nun genau zwei Drittel der Umfrageteilnehmer, dass die Zahlungsmoral der Schuldner weiter abnimmt. 57 Prozent fürchten bereits steigende Kosten gegenüber anderen Unternehmen und Banken – um die Ausfälle abzufedern. Nur 9 Prozent glauben an die Beflügelung des Konsums durch die Reform. (APA, 6.3.2017)

Service

Der KSV hat im Hinblick auf seine Argumentation, wonach es eine zweite Chance für Unternehmer bereits gibt, diese aber nicht für Konsumschuldner entwertet werden solle, ein "Fairness-Konzept" zu einer Privatkonkursreform erarbeitet. Das ist im Internet zu finden.

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