Schwarze Smoothies: Zu viel des Unguten

7. März 2017, 07:00
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Aktivkohle in dem Modegetränk kann Arzneimittel im Darm binden und deren Wirkung mindern

Viele Menschen nutzen die Fastenzeit, um abzunehmen und den Körper "zu entgiften". Ein gängiger Trend sind schwarze Smoothies. Während der dunkle Saft in den USA bereits die Supermarktregale erobert hat, wächst das Interesse am angeblichen Detox-Getränk auch in Österreich.

Neben gewöhnlichen Smoothie-Zutaten wie Obst, Gemüse und Kräutern enthält der schwarze Smoothie auch Aktivkohle. Der feinkörnige Kohlenstoff, den man oft in der Reiseapotheke als Kohletabletten verarbeitet findet, soll angeblich Giftstoffe aus dem Körper ziehen und damit jung, schlank und fit halten. Trotz des abschreckenden Farbtons erfreut sich das Getränk dadurch nicht nur bei Hollywood-Sternchen immer größerer Beliebtheit.

Die entgiftende Wirkung wird der porösen Struktur und der großen inneren Oberfläche der Aktivkohle zugeschrieben. Wie ein Schwamm soll die Wunderzutat giftige Stoffe aus dem Körper ziehen.

Verminderte Wirkung von Arzneimitteln

Die Österreichische Agentur für Ernährungssicherheit warnt jedoch vor dem neuen Smoothie-Trend. Arzneimittel mit Aktivkohle werden bei Vergiftungsnotfällen sowie bei Durchfallerkrankungen eingesetzt. Sie sollte nicht als Smoothie-Zutat verwendet werden.

Es besteht die Gefahr, dass durch die Einnahme von Aktivkohle andere Arzneimittel im Darm gebunden werden und nicht mehr wirken können. Zum Beispiel kann die Wirksamkeit der Antibabypille dadurch beeinträchtigt werden.

"Dass Aktivkohle aber bei gesunden Menschen irgendeine Wirkung haben soll, ist nicht bekannt, nicht untersucht – und nicht unbedingt zu erwarten", sagt Kurt Widhalm, Präsident des Österreichischen Akademischen Instituts für Ernährungsmedizin in Wien (ÖAIE). Die Vorstellung, dass die Kohle wie ein Magnet oder ein Schwamm schlechte Stoffe anzieht, stimme jedenfalls "sicher nicht".

Auf versteckte Zuckerquellen achten

Während man kuriose Wundermittel besser ganz vom Smoothie-Mixer fernhält, sollte man auch beim Zuckergehalt zumindest auf die Dosierung achten. Zum Fasten empfehlen sich nur die zuckerarmen Varianten des Trendgetränks. Je mehr Obst beziehungsweise Fruchtsäfte in dem Getränk verarbeitet sind, desto höher ist auch der Zuckergehalt. Ein Glas Smoothie (200 ml) kann dadurch bis zu 120 kcal enthalten.

Weniger Zucker und damit weniger Kalorien enthalten Smoothies mit einem höheren Anteil an Blattgemüsen, Salaten, Kräutern oder Wurzelgemüsen. Auch fettreiche Zutaten wie Avocados und Mandelmus erhöhen den Energiegehalt. (red, 7.3.2017)

  • Von Grün zu Schwarz: Vorsicht beim Genuss von Aktivkohle-Smoothies.
    foto: istockphoto

    Von Grün zu Schwarz: Vorsicht beim Genuss von Aktivkohle-Smoothies.

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