Abgetriebene weibliche Föten in indischem Abwasserkanal entdeckt

6. März 2017, 12:02
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Pränatale Geschlechtsbestimmung und gezielte Abtreibungen trotz Verbots gängige Praxis

Neu-Delhi – Die Polizei hat in einem Abwasserkanal im westindischen Bundesstaat Maharashtra 19 abgetriebene weibliche Föten entdeckt. Die in Plastiksäcken verpackten Leichen seien in der Nähe einer Dorfklinik gefunden worden, sagte der regionale Polizeichef Dattatray Shinde am Montag. Den Fund machten die Ermittler nach dem Tod einer jungen Frau während eines illegalen Schwangerschaftsabbruchs in der Klinik.

In Indien ist männlicher Nachwuchs nach wie vor begehrter als weiblicher, da Söhne bis heute als Ernährer der Familie gelten, während Töchter wegen der hohen Mitgift bei ihrer Heirat eher als Last angesehen werden. Obwohl Tests zur pränatalen Geschlechtsbestimmung verboten sind, werden sie vor allem in den ländlichen Gebieten bis heute häufig vorgenommen.

Der Mann des 26-jährigen Abtreibungsopfers wurde nach Polizeiangaben festgenommen, da er seine Frau zu dem Eingriff gezwungen hatte. Der Arzt ist seitdem flüchtig. Beiden droht bis zu fünf Jahre Haft.

Laut einer britischen Studie aus dem Jahr 2011 wurden in den vergangenen drei Jahrzehnten in Indien bis zu zwölf Millionen Mädchen gezielt abgetrieben. Das Ungleichgewicht zwischen männlichen und weiblichen Neugeborenen nimmt trotz aller Bemühungen der Behörden nur langsam ab. (AFP/APA, 6.3.2017)

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