Google: Verschwörungstheorien als "wichtigste Antworten"

6. März 2017, 08:41
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Wer Google etwas fragt, bekommt oft ausgeschriebene Texte als oberstes Ergebnis – die stammen manchmal aus dubiosen Quellen

Mit den sogenannten Snippets, die Google als oberstes Suchergebnis anzeigt, sollen Nutzer schneller zu Informationen gelangen. Anstatt auf die am besten gereihte Webseite zu klicken, können sie Teile der Seite schon ausgeschrieben lesen. Meisten funktioniert das gut – etwa dann, wenn sich Google auf Wikipedia oder andere renommierte Seiten verlässt. Doch jetzt wird Kritik an den Google Snippets laut, weil einige Nutzer bizarre "Top-Antworten" auf ihre Fragen erhalten haben.

Obama als "König der USA"

So entdeckte der US-Geschichtsprofessor Peter Shulman, dass Google auf die Suchanfrage nach US-Präsidenten im rassistischen Ku-Klux-Klan behauptete, Warren Harding sei dort Mitglied gewesen. Dafür soll es laut Shulman aber keine Belege geben. Daraufhin sammelten andere User ähnliche Fehler , die von The Outline zusammengefasst wurden. In den Google Snippets ist etwa zu lesen, dass der ehemalige US-Präsident Barack Obama plante, das Kriegsrecht auszurufen. Obama wird von Google auch auf die Frage, wer König der USA sei genannt.

"Sind Frauen böse?"

Google zieht teils Fragmente von Webseiten heran, die Verschwörungstheorien verbreiten oder eine rechtsextreme Ausrichtung haben. Der Guardian deckte bereits im Dezember auf, dass Google auf die Frage, ob Frauen böse seien, eine sexistische Antwort bereitstellte. US-Republikaner werden in einer anderen Antwort mit Nazis gleichgestellt.

Die Antworten stammen nicht von Google selbst. Sie werden von einem Google-Algorithmus ausgewählt, um Usern die Suchanfrage zu erleichtern. Durch die Darstellung in der Google-Suche könnten Nutzer sie jedoch für die "eine wahre Antwort" halten, wie The Outline analysiert. Sie werden etwa auch bei Anfragen an Google Home vorgelesen. Durch die Präsentation verleiht Google den Antworten Legitimität, sagen Kritiker. Google wollte sich zu den Vorwürfen im Detail nicht äußern. (red, 6.3.2017)

  • Obama wird etwa unterstellt, einen Coup zu planen
    foto: faksimilie

    Obama wird etwa unterstellt, einen Coup zu planen

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