OMV steigert Anteil russischer Produktion auf ein Viertel

6. März 2017, 10:56
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Konzern zahlt 1,75 Milliarden Euro für 25-Prozent-Anteil der Eon-Tochter Uniper – Asset-Deal mit Gazprom davon nicht betroffen

Wien/Düsseldorf – Die schon lange verhandelten OMV-Gazprom-Pläne in Sibirien sind noch nicht in trockenen Tüchern, da macht der heimische Energiekonzern in Russland Nägel mit Köpfen. Mit der Beteiligung am Juschno-Russkoje-Feld kauft sich die OMV um 1,75 Milliarden Euro in eine der größten Gasförderstätten ein.

Im Unterschied zum sogenannten Asset-Tausch mit der Gazprom kann OMV-Chef Rainer Seele in Juschno-Russkoje sofort Gas beziehen – muss also nicht erst in die Ausbeutung investieren. Und Seele weiß "aus früheren Zeiten, dass es sich um ein qualitativ hochwertiges Gasfeld handelt", wie er zum STANDARD sagt. Denn: Der Deutsche war vor seinem Wechsel nach Österreich Chef der BASF-Tochter Wintershall, die an Juschno-Russkoje mit einem Viertel beteiligt ist. Ein knappes Viertel geht jetzt an die OMV, die den Anteil von der deutschen Uniper erwirbt, die vom Energiekonzern Eon abgespalten wurde.

Kein Problem mit Russland

Mit der Akquisition katapultiert Seele den in Russland geförderten Gasanteil auf ein Viertel der gesamten OMV-Produktion. Zu den 100.000 Fass pro Tag (Öläquivalent) sollen dann im Zuge des Gazprom-Deals in fünf Jahren weitere 50.000 Barrel hinzukommen.

Dass die Österreicher derart intensiv auf Russland setzen, gegen das die EU wegen des Krim-Konflikts Sanktionen verhängt hat, sieht Seele nicht problematisch. Man habe die letzten 50 Jahre zuverlässig Gas aus Russland erhalten. Zudem hofft Seele auf ein Ende des Embargos, das nicht für den Energiebereich gilt. "Wir sehen, dass es zu einer Annäherung kommt."

Nächster Deal im Sommer

Gestillt ist der Expansionshunger der OMV damit nicht. Nächster Schritt soll die Beteiligung an dem ebenfalls in Sibirien gelegenen Gasfeld Achimow sein, im Gegenzug wollen die Österreicher Anteile an der Nordsee-Förderung an die Gazprom tauschen. Den Genehmigungsantrag will Seele im Sommer stellen. Norwegen hat dem Vernehmen nach keine große Freude mit dem Einstieg der Russen vor der eigenen Haustür.

Seele meint, viele hänge von dem in den Verträgen festzulegenden Einfluss der Gazprom auf Management und Strategie ab. Jedenfalls streicht der Konzern die Vorteile der Portfolio-Veränderung hervor. Die Nordsee-Beteiligung verfügt über Reserven von 320 Millionen Barrel und hat zwei Milliarden Euro gekostet. Bei Juschno-Russkoje blättert die OMV für 580 Millionen Fass 1,75 Milliarden Euro hin.

Einen dicken Fisch hat Seele zudem in Abu Dhabi an der Angel, wo das zweitgrößte Sauergasprojekt des Emirats erkundet wird. (as, 5.3.3017)

  • In Sibirien steigt die OMV ins Upstream-Geschäft ein.
    foto: epa/christian bruna

    In Sibirien steigt die OMV ins Upstream-Geschäft ein.

  • Die Karte zeigt, wo das Gasfeld liegt und wo bereits Pipelines bestehen.
    foto: omv

    Die Karte zeigt, wo das Gasfeld liegt und wo bereits Pipelines bestehen.

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