"Da bleibt nur noch Foltern": Wie sehen Sie den "Tatort: Kriegssplitter" aus Luzern?

Ansichtssache5. März 2017, 17:12
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Wien – Damit der Kommissar dabei ist, wenn der Journalist aus dem Fenster fliegt, bekommt er ein Schäferstündchen: Der Tatort "Kriegssplitter" ist gar nicht so schlimm, findet die Kritik – wenn nur nicht Nebenhandlungen wären, die selbst die Autoren nicht über 90 Minuten interessieren. Und wie sehen Sie den neuen Tatort aus Luzern?

orf/ard/daniel winkler

Grosny ist überall

"Grosny ist überall: In der Schweiz tobt ein unübersichtlicher Konflikt unter Tschetschenen. So diffus die geopolitische Lage, so abstrus dieser Tatort", findet Christian Buß auf "Spiegel Online": In der neuen Folge aus Luzern "ist die unübersichtliche ethnische und politische Gemengelage doch arg vereinfacht aufgelöst. Unser Krieg ist euer Krieg – das ist eine Verkürzung, die sich hier in einem Plot abstrus verkürzter Wege und Handlungsabläufe niederschlägt."

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Kluge Regie, überfrachtetes Buch

Claudia Schwartz findet den Schweizer "Tatort" in der "Neuen Zürcher" gar nicht so übel: "Tobias Ineichen (Skalpell) ist ein Tatort-geübter Regisseur und klug genug, dem Publikum diesen politischen Hintergrund nicht in papierenen Thesen zu erklären. Er macht den Konflikt über die innere Zerrissenheit der Figuren plausibel."

Aber: "Ein unübersehbares Problem besteht indes, wo die Drehbuchautoren Stefan Brunner und Lorenz Langenegger weitere Nebenhandlungen eröffnen, für die sie sich dann im Laufe der 90 Minuten gleich selber nicht mehr so richtig interessieren."

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Unsinn, wie er im Drehbuch steht

"Die elfte Schweizer 'Tatort'-Episode 'Kriegssplitter' ist nicht so schlimm, wie es andere schon waren", urteilt Katharina Riehl in der "Süddeutschen Zeitung".

"Ein großes Rätsel bleiben aber auch diesmal die Kommissare. Reto Flückiger, der seit einigen Folgen breit grinsend (weil offenbar verliebt) auf sein Handy schmachtete, zeigt sich diesmal mit seiner verheirateten Gefährtin. Die Liaison liefert zwar einen Grund für seine Anwesenheit beim Fenstersturz im Hotel, bleibt aber sonst – gemessen an der langen Herleitung – seltsam irrelevant. Und Liz Ritschard erklärt während der stockenden Befragungen, in denen es um Tschetschenien, Krieg und Folter geht: "Da bleibt echt nur noch ab nach Sibirien", dicht gefolgt von "da bleibt echt nur noch foltern", wobei sich Letzteres gegen den Kollegen Flückiger richtet. Ironie? Wer weiß das schon. So oder so: Unsinn, wie er im Drehbuch steht."

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Die Latte liegt tief

Nach dem Impro-Tatort aus Ludwigshafen lag die Latte für Luzern tief: "Schlimmer kann es nicht werden", tröstet Doris Priesching im STANDARD sich und das Publikum.

Aber: "Bei der Befragung sagt der alte Hotelportier: "Mein Oberstübchen funktioniert noch granatenmäßig." Solche Sätze muss man aushalten, ebenso lähmende Verhöre, einige unlogische Wendungen und einen enervierenden Dauersynthiebrechsound." (red, 5.3.2017)

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