Opel ist Peugeot 1,6 bis 1,8 Milliarden Euro wert

5. März 2017, 14:42
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PSA und General Motors einig. Sie geben Montagfrüh eine Pressekonferenz und unterzeichnen eine Grundsatzvereinbarung

Frankfurt/Genf/Rüsselsheim – Noch sind auf der Automesse in Genf die Markenlogos Löwe und Blitz ein ganzes Stück voneinander entfernt. Doch schon nächstes Jahr dürfte der französische Peugeot-Konzern PSA zusammen mit der deutschen Traditionsmarke Opel auf der Branchenmesse an einem großen Gemeinschaftsstand Stärke demonstrieren.

Nach der Übernahme der deutschen General-Motors-Tochter Opel, die heute, Montag, offiziell verkündet wird, wird sich Peugeot mit dem Erzrivalen Renault-Nissan ein Kopf-an-Kopf-Rennen um den Rang des zweitgrößten Autokonzerns in Europa hinter Platzhirsch Volkswagen liefern.

1,6 bis 1,8 Milliarden Euro soll PSA Peugeot Citroën für den deutschen Rivalen Opel zahlen, schieb die französische Wirtschaftszeitung Les Echos. Der gesamte Deal solle bis Ende des Jahres abgeschlossen sein. Zwei zentrale Fragen seien in den Verhandlungen bereits gelöst worden: Milliardenschwere Pensionsverpflichtungen verbleiben zu großen Teilen bei General Motors (GM).

Peugeot behält Opel Ampera

Auch bei Modelllizenzen gebe es eine Einigung. PSA dürfte den Elektro-Opel Ampera, der technologisch auf dem Chevrolet Bolt von GM basiert, weiterhin verkaufen. Eine offizielle Bestätigung gab es dafür bisher nicht. Mit Opel will PSA zur Nummer zwei in Europas Autobranche aufsteigen. PSA und General Motors (GM) könnten am Montag ein Memorandum of Understanding unterzeichnen, eine Absichtserklärung über einen Verkauf von Opel an den französischen Konzern.

Was das für die drittgrößte Pkw-Absatzregion weltweit bedeutet, ist auf der Genfer Autoschau Gesprächsstoff. Opel und PSA kooperieren bereits seit fünf Jahren in einer Einkaufs- und Entwicklungsallianz, um Kosten zu senken. In Genf präsentieren sie ein wichtiges Gemeinschaftsprojekt: Das Stadt-SUV Crossland X von Opel hat gleiche Bauteile wie der Citroën-Geländewagen C3 – das Fundament stammt vom Peugeot 2008.

SUVs sind Schwerpunkt auf der Messe, die von 9. bis 19. März stattfindet. Die große Nachfrage nach schwerem Gerät ist nach einer CAM-Studie dafür verantwortlich, dass der Ausstoß des klimaschädlichen Gases CO2 im Branchenschnitt 2016 um 2,2 Prozent und damit langsamer als bisher abnahm auf rund 127 Gramm je 100 Kilometer. Die Autobauer wollen vor allem mit Elektroautos schärfere Umweltvorschriften in Europa und China erfüllen. Premieren dazu sind für Genf aber nicht angekündigt.

Marktbereinigung muss warten

Die Opel-Zukunft war schon einmal Gesprächsthema in Genf. In der Krise 2009 gehörte die GM-Tochter zu den angezählten Marken. Ein Untergang des Schöpfers von Modellen wie Kapitän, Kadett oder Astra hätte den Markt gesundschrumpfen lassen, so die Überlegung. Doch die Krise ist vorbei, im Vorjahr stieg der Absatz von Neufahrzeugen in der EU um fast sieben Prozent auf 14,6 Millionen Stück und ist damit fast wieder auf Vorkrisenniveau – trotz Sorgen bezüglich des Brexits und der Zukunft des EU-Binnenmarktes.

Marktbereinigung durch den Vier-Marken-Konzern Peugeot, Citroën, Opel und die britische GM-Schwestermarke Vauxhall erwarten Experten zumindest in den kommenden Jahren nicht. "Die Marken Opel und Vauxhall werden bestehen bleiben, auch ein Kapazitätsabbau ist zunächst offenbar nicht geplant – der Wettbewerbsdruck wird sich deshalb nicht unmittelbar abschwächen", sagt etwa Marc-René Tonn von Warburg Research.

Werksschließungen erst später

Auto-Professor Stefan Bratzel sieht den Zeitplan so: Sobald die noch geltenden Zusagen von GM für Standorte und Beschäftigung Ende des Jahrzehnts auslaufen, erwarten Analysten die Schließung von Werken. "Wenn PSA/Opel wettbewerbsfähiger wird, müssen die anderen zusehen, wie sie nachziehen." Zittern müsse VW deshalb aber nicht, sagt Branchenexperte Ferdinand Dudenhöffer, Chef des Center Automotive Research (CAR) der Universität Duisburg-Essen: "Wenn Wolfsburg seine Kosten in Ordnung bringt, sind sie gut unterwegs, egal was Peugeot/Opel machen." (Reuters, dpa, ung)

  • Vom Blitz getroffen wurde der Löwe von Peugeot. In dessen Stall wird künftig Opel neu durchstarten.
    foto: reuters; montage: friesenbichler

    Vom Blitz getroffen wurde der Löwe von Peugeot. In dessen Stall wird künftig Opel neu durchstarten.

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