Freiwillig Kinderlose werden oft stigmatisiert

6. März 2017, 09:00
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Gewollt Kinderlose bekommen im Alltag Diskriminierung zu spüren, legt eine US-Studie nahe

Die Gründe, sich für oder gegen Kinder zu entscheiden, sind vielfältig. Immer mehr Erwachsene schieben die Entscheidung über eigenen Nachwuchs immer weiter nach hinten oder verzichten völlig auf Elternschaft. Gewollt Kinderlose werden aber häufig nicht nur schief angesehen, sondern für ihren Entschluss sogar stigmatisiert. Zu diesem Ergebnis für die USA kommt eine in dem feministischen Journal "Sex Roles" veröffentlichte Studie.

Moralisch verwerflich

Leslie Ashburn-Nardo, außerordentliche Professorin am Institut für Psychologie an der Universität in Indianapolis (IUPUI), hat die Voreingenommenheit gegenüber Menschen, die sich bewusst gegen Kinder entscheiden, in US-Bundesstaaten untersucht. Gewollte Kinderlosigkeit werde demnach nicht nur als "untypisch" gesehen, sondern als moralisch verwerflich, so die Studienautorin.

Und: "Kinder zu haben ist offensichtlich die typische, zu erwartende Entscheidung. Unter Umständen sind Menschen richtig erstaunt, wenn sie jemanden treffen, der sich mit seinem Ehepartner gegen Kinder entschieden hat. Dass Personen aber empört über die kinderlosen Erwachsenen reagieren, ist das neue an diesen Forschungsergebnissen."

Abwertung von Kinderlosen

Das Team um Leslie Ashburn-Nardo ließ den Probanden der Studie zunächst eine kurze, prägnante Charakterbeschreibung über eine erwachsene, verheiratete Person lesen. Dann sollten sie ihrer Einschätzung über die psychologische Befindlichkeit der Person abgeben und die eigenen Gefühle gegenüber der Person schildern. Die Charakterbeschreibung variierte in zwei Aspekten: Zum einen hinsichtlich des Geschlechts und zum anderen hinsichtlich der Entscheidung Kinder oder keine zu bekommen.

"Durchgängig haben die Teilnehmer, diejenigen Frauen und Männer, die freiwillig kinderlos leben, als signifikant weniger erfüllt im Leben bewertet, als Frauen und Männer mit Kindern", sagt Ashburn-Nardo. Bemerkenswert sei dabei die moralische Entrüstung – von Missbilligung über Verärgerung bis hin zu Abscheu – gewesen, die die Probanden gegenüber Menschen verspürten, die keine Kinder in die Welt setzen wollen.

Stereotype Erwartungshaltung

Die Ergebnisse seien übereinstimmend mit jenen aus anderen Studien, die sich mit den Themen sozialer Rollen und Stereotype widmen. Wenn Menschen ihre gesellschaftliche Rolle nicht einnehmen, bekommen sie soziale Sanktionen zu spüren, sagt die Psychologin. Sie sieht in den Ergebnissen ihrer Studie erstmals einen Beleg dafür, dass Elternschaft als moralische Forderung interpretiert wird. Inwiefern sich die Diskriminierung Kinderloser auf verschiedene Teilbereiche des Lebens, wie Arbeit und Gesundheit, auswirken kann, wird die Frage in ihrer neuen Forschungsarbeit sein, sagt Ashburn Nardo. (chrit, 6.3.2017)

  • Ob Kinder oder keine ... Eine US-amerikanische Studie hat die Voreingenommenheit gegenüber freiwillig Kinderlosen untersucht.
    foto: berliner verlag / dpa picture alliance / picturedesk.com

    Ob Kinder oder keine ... Eine US-amerikanische Studie hat die Voreingenommenheit gegenüber freiwillig Kinderlosen untersucht.

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