Bronze für Österreich im Teamspringen

    4. März 2017, 17:12
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    ÖSV-Quartett landete hinter Polen und Norwegen auf Platz drei

    Lahti – Das ÖSV-Aufgebot wird die 51. Nordischen Ski-Weltmeisterschaften mit fünf Medaillen abschließen. Am Samstag eroberte das Skispringer-Team mit Michael Hayböck, Manuel Fettner, Gregor Schlierenzauer und Stefan Kraft Bronze von der Großschanze. Kraft ist mit zweimal Gold sowie je einmal Silber und Bronze das Aushängeschild. Die von Stefan Horngacher trainierten Polen feierte einen überlegenen Sieg.

    Schon vor dem abschließenden 50-km-Langlauf-Rennen am Sonntag stand fest, dass Lahti 2017 das viertbeste Großereignis der Geschichte für die ÖSV-Nordischen wird. Mit zwei Goldmedaillen, einer Silbernen und zweimal Bronze wurde das Soll von ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel übertroffen.

    Start-Ziel-Sieg für Polen

    Im Großschanzen-Bewerb der Springer öffnete im zweiten Durchgang der stark wechselnde Wind zwischendurch dem Zufall Tür und Tor und wirbelte das Klassement der ersten vier durcheinander. Nur die Polen ließen sich davon nicht beirren und holten mit einem Start-Ziel-Sieg ihren ersten Team-Titel überhaupt.

    Norwegens Silbermedaille kam nach den bisherigen Vorstellungen in Lahti etwas überraschend. Doch das Team von Alexander Stöckl agierte zum Abschluss stark, der Titelverteidiger landete 25,7 Punkte hinter den Siegern. Für den Sprung des Tages sorgte Johann Andre Forfang, der den starken Aufwind nützte und mit 138 Metern den elf Jahre alten Schanzenrekord von Andreas Widhölzl (135,5) auslöschte.

    Über Bronze entschied das dritte Duell der Schlussspringer zwischen Kraft und Andreas Wellinger. Wie schon in den zwei Einzelbewerben behielt der Salzburger die Oberhand. Kraft musste vom vierten Platz angreifen und legte Wellinger 126 Meter vor. Das reichte, denn der 21-jährige Bayer schaffte nur 119 Meter und Österreich lag 16 Punkte voran. Das Team von Heinz Kuttin hat damit in allen vier Bewerben eine Medaille erobert.

    Zwei Stück stachen besonders hervor. Jenes von Gregor Schlierenzauer, der in seiner durch Sturzverletzungen erschwerten Comeback-Saison nach sechsmal Gold und fünfmal Silber als erster Skispringer bei sechs Weltmeisterschaften in Serie jeweils mindestens eine Medaille eroberte. "Das ist sehr schön, wenn man meine Geschichte kennt. Eine Medaille war mein Ziel. Danke an die Jungs und an mein Umfeld zu Hause, denn ohne das wäre ich gar nicht hier gewesen. Der Sport ist wie das Leben – mit Höhen und Tiefen, das habe ich heuer an mir selbst stark gespürt", sagte der 27-Jährige mit Tränen in den Augen.

    Schlierenzauer Nummer eins

    Schlierenzauer avancierte mit seinem zwölften Edelmetall (6-5-1) auch zur alleinigen Nummer eins unter den eifrigsten Medaillensammlern der ÖSV-Nordischen. Er ließ Thomas Morgensern (8-2-1) und Felix Gottwald (3-2-6) hinter sich.

    Doppel-Weltmeister Stefan Kraft durfte zum Abschluss nochmals jubeln. Er hatte es auch bei seinem dritten Großereignis auf das Einzel-Podest geschafft und holte am Samstag schon seine sechste WM-Medaille (2-2-2). "Das war ein perfekter Abschluss. Vier Medaillen, das hätte ich mir nicht erträumen können, das ist einfach genial", erklärte der 23-Jährige. Vier Podestplätze bei einer WM hatten vor ihm nur Martin Schmitt (GER/2001), Morgenstern (2011) und Rune Velta (NOR/2015) geschafft.

    Im zweiten Durchgang hätten seine Kollegen und auch er mit den Bedingungen kein Glück gehabt, sagte Kraft. "Jetzt sind wir froh, dass wir die Medaille haben. Wir haben es uns so etwas von verdient."

    Wechselbad der Gefühle

    Für Kuttin und die Springer war es ein Wechselbad der Gefühle. Mehrfach ging es zwischen den Plätzen zwei und vier hin und her. Kraft fixierte den zweiten Halbzeitrang, 16,4 Punkte hinter Polen, doch Wind und der Rekord von Forfang änderten das Bild.

    Fettner profitierte von einem Fehler Stephan Leyhes und brachte das ÖSV-Team mit einem guten Sprung auf Rang zwei. Der 31-jährige Team-Weltmeister von 2013 freute sich über "meine zwei besten WM-Sprünge" und sprach von einer verdienten Belohnung. "Mit einer brutal starken Leistung haben wir es doch noch geschafft, dass wir mit einer Medaille heimfahren."

    Für Hayböck gab es nach Mixed-Silber auch noch Bronze. "Das war ein ziemlich turbulenter zweiter Durchgang. Da als Startspringer herunten zu stehen, das kostet viel Nerven", sagte der Oberösterreicher. (APA, red, 4.3.2017)

    Skispringen, Herren-Teambewerb von der Großschanze:

    1. Polen 1.104,2 Punkte (Piotr Zyla 130,5 m/123,0 m – Dawid Kubacki 129,0/119,5 – Maciej Kot 130,5/121,5 – Kamil Stoch 130,5/124,5)

    2. Norwegen 1.078,5 (Anders Fannemel 131,0/112,5 – Johann Andre Forfang 126,5/138,0 – Daniel Andre Tande 126,0/126,0 – Andreas Stjernen 127,5/125,5)

    3. Österreich 1.068,9 (Michael Hayböck 130,0/118,5 – Manuel Fettner 126,5/121,0 – Gregor Schlierenzauer 124,0/113,5 – Stefan Kraft 134,0/126,0)

    4. Deutschland 1.052,9 (Markus Eisenbichler 130,5/130,5 – Stephan Leyhe 124,5/103,5 – Richard Freitag 128,5/124,0 – Andreas Wellinger 130,5/119,0)

    5. Slowenien 941,6
    6. Finnland 926,5
    7. Tschechien und Japan je 922,7
    9. Russland 473,4
    10. Schweiz 453,0
    11. USA 365,1
    12. Kasachstan 192,3

    Reaktionen

    Stefan Kraft: "Der zweite Durchgang, da hat keiner von uns Glück gehabt. Jetzt sind wir froh, dass wir die Medaille haben. Wir haben es uns so etwas von verdient. Vier Medaillen, das hätte ich mir nicht erträumen können, ein perfekter Abschluss, einfach genial."

    Michael Hayböck: "Das war ein ziemlich turbulenter zweiter Durchgang. Da als Startspringer herunten zu stehen und den anderen zuzuschauen, das kostet viel Nerven."

    Manuel Fettner: "Ich habe im Team meine zwei besten WM-Sprünge gezeigt. Vom Glück waren wir im zweiten Durchgang sicher nicht verfolgt, aber mit einer brutal starken Leistung haben wir es doch noch geschafft, dass wir mit einer Medaille heimfahren."

    Gregor Schlierenzauer (mit Tränen in den Augen): "Ich bin sehr nah am Wasser gebaut. Es ist sehr schön, wenn man meine Geschichte kennt. Eine Medaille war mein Ziel. Danke an die Jungs und an mein Umfeld zu Hause, denn ohne das wäre ich gar nicht hier gewesen. Der Sport ist wie das Leben – mit Höhen und Tiefen, das habe ich heuer selbst an mir stark gespürt. Ich freue mich, dass ich hier dabei sein durfte."

    • Überragende Darbietung der Polen im Teambewerb.
      foto: apa/afp/jonathan nackstrand

      Überragende Darbietung der Polen im Teambewerb.

    • Eine sehr gute Performance lieferte auch das ÖSV-Quartett ab.
      foto: ap/matthias schrader

      Eine sehr gute Performance lieferte auch das ÖSV-Quartett ab.

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