Strache mit 98,7 Prozent der Stimmen bei FPÖ-Parteitag wiedergewählt

Video4. März 2017, 14:17
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Auch Norbert Hofer meldete sich beim FPÖ-Parteitag in Klagenfurt zu Wort: "Ihr werdet euch noch wundern"

Klagenfurt – Heinz-Christian Strache wurde am Parteitag in Klagenfurt mit 98,7 Prozent der Delegiertenstimmen als FPÖ-Parteiobmann wiedergewählt. "Ich nehme die Wahl dankend an", sagte er. Das Ergebnis ist das beste, das Strache je bei einer Wahl zum Bundesparteichef erzielte. Zuletzt erhielt er 2013 ein Ergebnis von 96,32 Prozent. Sein bisher bestes Resultat gab es 2009 mit 97,23 Prozent.

Von den schlussendlich 698 anwesenden Delegierten gaben 695 ihre Stimme ab. Unter den 693 gültigen Stimmen waren neun Gegenstimmen, damit sprachen sich 684 Delegierte für den amtierenden Obmann aus.

Im Anschluss an Straches Wiederwahl wurden – per offener Abstimmung – auch die Stellvertreter des Parteichefs erneut bestellt. Norbert Hofer, Manfred Haimbuchner, Harald Stefan, Mario Kunasek und Johann Gudenus wurden in ihren Ämtern bestätigt.

Im Anschluss an die Wahl der Parteigremien stand noch die Abstimmung einzelner Anträge – darunter jener auf Wiedereingliederung der Kärntner FPÖ unter das Bundes-Dach sowie der Leitantrag zur "Direkten Demokratie" – auf dem Programm.

"Stärker als je zuvor"

Strache als Bundeskanzler: Eine verzückende Vorstellung für die Delegierten, die der Kärntner FPÖ-Obmann Gernot Darmann gleich zu Beginn des 32. Parteitages freudig ins Plenum ruft: "Wir müssen Strache zum Kanzler machen."

Wir, damit meint Darmann den Spruch, der hinter ihm auf der Leinwand steht: "Österreichs wahre Patrioten." Eine Selbstbeschreibung der FPÖ, die an diesem Tag immer wieder von den freiheitlichen Politikern im Munde geführt wird.

Der wiedergewählte Bundesparteiobmann schwingt nahtlos in den euphorischen Einstieg Darmanns ein: "Ja, wir sind stärker als je zuvor, vielleicht gelingt uns ja das Wunder, auf Platz zwei oder sogar auf Platz eins vorzustoßen."

Fake News

Aber die FPÖ werde nicht nur gegen die anderen Parteien, sondern vor allem gegen "die Medien" antreten müssen, die ständig "Fake News" oder verzerrende Berichte über die Freiheitlichen lancieren würden. Die Medienkritik zieht sich durch so ziemlich alle Reden an diesem Parteitag. Sogar von "Söldner der Regierung" ist die Rede. Über die FPÖ werde, will Strache die Delegierten aufklären, nur "falsch", "manipulativ" berichtet. Aber dennoch: die Chance auf den ersten Platz lebt, sagt Strache.

Zuvor allerdings müsse natürlich die jetzt bestehende Bundesregierung aus SPÖ und ÖVP abgewählt werden. Argumente dafür sieht Strache zuhauf: "Die Lage im Land ist übel. Sie spitzt sich weiter zu. Die Staatsverschuldung wächst weiter. Die Regierung ist nicht bereit dies zu korrigieren. Es herrscht Rekordarbeitslosigkeit, sie ist so hoch wie nie zuvor. Die Regierung versagt überall: Gegengesellschaften werden gegründet und es wird nichts gegen den radikalen Islamismus getan."

Bundeskanzler Christian Kern sehe er eher als Dressman, denn als Politiker. In der ÖVP wisse man nicht, "wer der eigentliche Obmann ist" .

Dass die rot-schwarze Bundesregierung zuletzt in der Migrationspolitik ihren Kurs verschärft hat, scheint bei Strache angekommen zu sein. Alles, was die Regierung jetzt angekündigt habe, seien alte Forderungen und Anträge der FPÖ.

Etwa die Sache mit dem Kopftuchverbot. "Das verlangen wir seit Jahren. Das gleiche bei Abschiebungen. Alles nur harte Worte. Im ganzen Fremdenpaket ist nur Placebo drinnen. Jetzt knapp vor der Wahl wollen sie den Brand löschen, den sie gelegt habe. Das ist unglaubwürdig. Die Wähler werden aber zum Schmied gehen, zum Original. Man soll gleich uns wählen und sich nicht täuschen lassen", sagt Strache.

Plötzlich redet Hofer

Und dann plötzlich steht der ehemalige Präsidentschaftskandidat Norbert Hofer am Podium und hebt an zu einer Ode auf Strache: "Ich wäre gerne der jüngste Bundespräsident geworden. Aber, das hat auch sein Gutes. Jetzt bin ich hier und kann gemeinsam mit Heinz-Christian Strache in den Wahlkampf ziehen. An die Regierung ein Wort: Haltet euch ordentlich an. Ihr werdet euch noch wundern, wie gut das Wahlergebnis sein wird. Es wird das beste Ergebnis in der Geschichte der FPÖ sein."

Das sind Töne, die dem Auditorium gefallen. Die Delegierten danken mit tosendem Applaus. Und dann die offizielle Ankündigung: "Ich darf die Mitteilung machen, dass der Bundesparteivorstand einstimmig die Entscheidung getroffen hat, wer der Spitzenkandidat bei der Nationalratswahl sein wird. Der heißt Heinz-Christian Strache. Ich werde alles tun damit er Bundeskanzler wird. Nur wir können Österreich retten." Hofer erntete lautstarke Akklamationen.

Norbert Hofer will noch ein Wort zur Bundesregierung nachreichen, zumal sie freiheitliche Positionen übernommen habe. Die Regierung könne sich in Zukunft jedenfalls den Vorwurf der Hetze sparen, "das können sie uns nie wieder vorwerfen. Heute sind die Regierungsparteien draufgekommen, wir müssen das übernehmen. Früher waren sie scheintot, heute sind sie scheinschwanger mit FPÖ-Ideen. Eine Entschuldigung an die FPÖ nehmen wir gerne an." (APA/Walter Müller aus Klagenfurt, 4.3.2017)

  • Die FPÖ hat am Samstag in Klagenfurt ihren Bundesparteitag eröffnet. Zentraler Punkt ist die formale Rückkehr der Kärntner Freiheitlichen unter das Dach der Bundes-FP.
    foto: apa/gert eggenberger

    Die FPÖ hat am Samstag in Klagenfurt ihren Bundesparteitag eröffnet. Zentraler Punkt ist die formale Rückkehr der Kärntner Freiheitlichen unter das Dach der Bundes-FP.

  • Der steirische FP-Landesparteiobmann Mario Kunasek, FPÖ-Bundesparteiobmann Heinz-Christian Strache und der Dritte Nationalratspräsident Norbert Hofer am Samstag.
    foto: apa/gert eggenberger

    Der steirische FP-Landesparteiobmann Mario Kunasek, FPÖ-Bundesparteiobmann Heinz-Christian Strache und der Dritte Nationalratspräsident Norbert Hofer am Samstag.

  • Strache und Hofer zelebrierten einmal mehr Einigkeit.
    foto: apa/gert eggenberger

    Strache und Hofer zelebrierten einmal mehr Einigkeit.

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