Sogar Linke mögen Trumps neuen Chefökonomen

4. März 2017, 14:00
164 Postings

Mit Kevin Hassett wird ein angesehener Konservativer wirtschaftlicher Chefberater von US-Präsident Donald Trump

Wien – Gott sei Dank! So lässt sich die Reaktion der meisten amerikanischen Ökonomen zusammenfassen. Donald Trump hat – mit einiger Verzögerung – den Chefsessel des wichtigsten wirtschaftlichen Beratergremiums der Regierung besetzt. Und zur Erleichterung vieler Wissenschafter hat der 45. Präsident der USA einen angesehenen Mann in diesen wichtigen Posten gehievt.

Keven Hassett ist so etwas wie das Gegenprogramm zum globalisierungskritischen Peter Navarro, ein Berater, dessen Meinung für Trump von Bedeutung ist. Der liberalisierte Welthandel ist für Hassett der Schlüssel für Wohlstand, die Teilnahme eines Landes an der Weltwirtschaft eine absolute Grundvoraussetzung für langfristiges Wachstum.

Wie viel Gewicht die Meinung Hassetts haben wird, muss sich aber erst zeigen. Denn Trump hat schon vor längerer Zeit beschlossen, dass der künftige Chef des Gremiums, dem Hassett jetzt vorsteht, nicht Teil seines Kabinetts wird. Im Kabinett sitzen alle Minister und andere Leute, die der Präsident für wichtig hält: etwa der Chef der CIA, sein Stabschef oder der Handelsberater.

Weniger Steuern für Firmen

Als ökonomischer Chefberater erstellt Hassett künftig einen jährlichen Bericht zur Verfasstheit der Wirtschaft der USA. Seine Nominierung stärkt deshalb auch das Vertrauen in den Umgang der US-Regierung mit Zahlen. Trump hatte offizielle Statistiken ja immer wieder infrage gestellt. Hassetts Job ist es ebenso, dem Präsidenten den Stand der Forschung zu relevanten Themen zu erklären.

"Eine exzellente Wahl", kommentierte sein Vorgänger, Jason Furman, ein liberaler Ökonom, der für Barack Obama tätig war. Jared Bernstein, ein Ökonom, den man dem linken Spektrum zuordnen kann, nannte Hassetts Nominierung "großartig".

Tritt für Freihandel ein

Dass sich selbst linke Ökonomen über die Wahl von Hassett freuen, zeigt, wie nervös viele Intellektuelle derzeit zu sein scheinen. Denn Hassett ist nicht nur pro Freihandel, wie viele andere Ökonomen auch, sondern tritt seit vielen Jahren für eine starke Senkung der Steuern für Firmen ein und hält die steigende Ungleichheit in den USA für einen Mythos.

Nicht ganz zufällig, denn Hassett ist seit 2003 für das American Enterprise Institute tätig, das ist so etwas wie die Wirtschaftskammer, nur dass Firmen ihre Mitgliedsbeiträge freiwillig bezahlen. Hassett vertritt die umstrittene Ansicht, dass sich eine Senkung der Steuern für Firmen quasi von selbst bezahlt. Eine Idee, die auf den konservativen Ökonomen Arthur Laffer zurückgeht. Eine Senkung der Steuern würde das Geschäft der Unternehmen demnach so stark anschieben, dass sie am Ende des Tages trotz niedriger Steuersätze mehr an den Fiskus abgeben. Außerdem, so Hassett in einem Artikel, würde die Arbeiter massiv von so einer Senkung der Firmensteuern profitieren, weil ihre Löhne dadurch deutlich steigen würden.

Ungleichheit als Mythos

Die steigende Schere zwischen Arm und Reich hält Hassett für einen Mythos. Man dürfe hierbei nicht auf Vermögen schauen – das oberste Prozent hat seinen Anteil von 22 auf 37 Prozent gesteigert – sondern auf den Konsum. Und immer mehr Niedrigverdiener in den USA würden über eine Mikrowelle oder einen Computer verfügen. Messe man den Konsum, nehme die Ungleichheit nicht zu.

Hassett ist für einen Konservativen aber auch Vertreter unkonventioneller Ideen. So plädierte er in der Krise dafür, dass der Staat Arbeitslose massenhaft für bestimmte Zeit anstellen soll. Das komme billiger, als ihnen Arbeitslosengeld zu bezahlen. Außerdem setzt er sich für eine CO2-Steuer ein. Man darf gespannt sein, wie er das Trump beibringen will. Der hat den Klimawandel ja als einen von den Chinesen erfundenen Schwindel bezeichnet.(Andreas Sator, 4.3.2017)

  • Hat auch unkonventionelle Ideen: In der Krise plädierte Kevin Hassett dafür, Arbeitslose einfach beim Staat anzustellen.
    foto: dapd/evan vucci

    Hat auch unkonventionelle Ideen: In der Krise plädierte Kevin Hassett dafür, Arbeitslose einfach beim Staat anzustellen.

Share if you care.