Fahrverbote werden zunehmend zum Dieselkiller

4. März 2017, 10:00
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In Europa geht der Verkauf von Dieselfahrzeugen zurück, viele Städte wollen Feinstaubbelastung reduzieren

Wien – London, Paris, Oslo, Stuttgart und möglicherweise bald auch München: Immer mehr Städte haben – in unterschiedlichsten Formen – den Dieselmotor im Visier, um Schadstoffausstoß und Feinstaubbelastung zu reduzieren. In Wien haben zuletzt die Grünen mit dem Vorschlag für Aufsehen gesorgt, alte Dieselfahrzeuge in Umweltzonen aus dem Verkehr zu ziehen. Dem vor 125 Jahren patentierten Motor machen die Diskussionen und Maßnahmen zusehends zu schaffen. Jüngster Hinweis: In Deutschland gingen die Dieselzulassungen im Februar um zehn Prozent zurück.

Auch wenn man die Bedeutung einzelner Monatswerte nicht überstrapazieren sollte, spricht der Gleichklang in großen europäischen Ländern doch eine deutliche Sprache: In Spanien wurden im Februar um neun Prozent, in Frankreich sogar um 14 Prozent weniger Dieselautos verkauft als im Jahr davor. Auch in Österreich gibt es zarte Hinweise in eine ähnliche Richtung. Im Jänner – die Februarwerte liegen noch nicht vor – gab es bei Diesel zwar nur einen unmerklichen Rückgang bei den Neuzulassungen, aber: Benziner legten gleichzeitig um satte 21 Prozent zu.

Öffentliche Diskussion

Aufgrund der Diskussion über Fahrverbote wird in Deutschland bereits das Ende des Diesel ausgerufen, zumal auch schon im Jänner der Marktanteil des Selbstzünders gesunken ist. Bosch-Aufsichtsratschef Franz Fehrenbach hat sich laut Stuttgarter Zeitung in einem Brief an den Landeshauptmann von Baden-Württemberg, Winfried Kretschmann, gewandt und das "regelrechte Abwürgen" der Dieselfahrzeuge durch Regelungen wie in Stuttgart beklagt.

Zwar werden nur noch Fahrzeuge der Schadstoffklasse Euro-6 verkauft, doch nicht wenige befürchten, dass es auch den saubereren Antrieben an den Kragen gehen könnte. Der Grund: Sie stoßen im normalen Fahrbetrieb deutlich mehr Stickoxid aus als vorgeschrieben, weshalb auch Verbote neuerer Autos nicht ausgeschlossen werden können.

Kosten für die Abgasreinigung

Langfristig rechnet die Branche mit zusätzlichen Anforderungen und damit Kosten für die Abgasreinigung, was den Dieselabsatz zusätzlich drücken könnte. Und noch ein Punkt schreckt potenzielle Käufer ab: Diesel-Fahrverbote könnten die Preise im Falle des Wiederverkaufs des Autos purzeln lassen.

Klaus Edelsbrunner, Obmann der Fahrzeughändler in der Wirtschaftskammer, kann in Österreich generell keinen Trend weg vom Diesel erkennen. Lediglich in den großen Städten ortet er Rückgänge im Verkauf, freilich nicht so sehr wegen drohender Restriktionen, sondern wegen Änderungen beim Fahrverhalten. Weil der Wagen immer seltener genutzt werde, rechneten sich Mehrkosten bei der Anschaffung eines Dieselautos weniger, sagt Edelsbrunner zum Standard.

Selektive Fahrverbote angedacht

Der Interessenvertreter spricht sich gegen selektive Fahrverbote aus, weil das Gros des Feinstaubs durch das Aufwirbeln der Partikel entstehe. Und dieser Effekt trete unabhängig davon ein, ob es sich um Benziner, Diesel oder Elektroautos handle. Seine Schlussfolgerung daraus: "Sinnvoll ist nur ein allgemeines Fahrverbot." (as, 4.3.2017)

  • Dieselautos sind für die hohen Schadstoffwerte in Städten verantwortlich.
    foto: dpa

    Dieselautos sind für die hohen Schadstoffwerte in Städten verantwortlich.

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