"Wiener Zeitung" versucht die feministische Revolution

4. März 2017, 07:00
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In der Woche um den Weltfrauentag am 8. März soll die weibliche Perspektive verstärkt werden – ohne "Frauenseiten" und als Beginn für eine grundlegende Veränderung

Wien – Die Redaktion der republikeigenen "Wiener Zeitung" nutzt die Woche rund um den Weltfrauentag am 8. März für einen Versuch, das Blatt grundlegend zu feminisieren. "Es geht nicht darum, Frauenseiten zu machen", sagt Redakteurin Solmaz Khorsand, die das Experiment initiierte. Vielmehr soll – beginnend mit der Ausgabe vom Samstag – die weibliche Perspektive in der gesamten Zeitung auf Augenhöhe mit der männlichen gestellt werden.

Das will die "Wiener Zeitung" etwa damit erreichen, dass vermehrt Expertinnen zu Wort kommen. "Das erfordert mehr Anstrengung", sagt Khorsand, "denn man muss vielleicht eine halbe Stunde länger suchen, bis man eine Politikwissenschafterin ans Telefon bekommt." Auch in der Bildsprache wollen die "Wiener Zeitung"-Redakteure besonders in dieser Woche darauf achten, dass das Bild eines Mannes nicht der Normalfall ist, sondern auch Frauen dargestellt werden. Und: Zum ersten Mal seit dem Bestehen der "Wiener Zeitung" schreibt am Samstag eine Frau – Khorsand – den Leitartikel des Blattes.

Dass Frauen in der Berichterstattung ebenfalls vorkommen, solle aber "eigentlich nichts Besonderes sein", sagt Khorsand. Denn Journalisten hätten die Verantwortung, die Gesellschaft in ihrer Vielfalt darzustellen. Für Khorsand soll die Feminisierung der "Wiener Zeitung" deshalb ausdrücklich kein abgeschlossenes Projekt zum Weltfrauentag sein, sondern der Beginn einer grundlegenden Änderung zu einer gesellschaftlich umfassenderen Berichterstattung. (sefe, 3.3.2017)

  • Die "Wiener Zeitung" will der weiblichen Perspektive mehr Raum widmen.
    foto: standard

    Die "Wiener Zeitung" will der weiblichen Perspektive mehr Raum widmen.

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