"Brot & Sterne": Kontemplative Kommunikation

3. März 2017, 16:33
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Drei versierte Individualisten bilden die Band "Brot & Sterne", die im Radiokulturhaus am 6. 3. "Tales of Herbst" präsentiert. Franz Hautzinger, Peter Rosmanith und Matthias Loibner beantworten dazu ein paar Fragen

Wien – Die Formation Brot & Sterne scheint in einer mirakulösen Tonart des Träumens zu hausen. Auf der CD Tales of Herbst, die im Radiokulturhaus (6. 3.) präsentiert wird, herrschen friedvolles Schweben und wohlklingende Entrückung. Allerdings sind Trompeter Franz Hautzinger, Drehleierspieler Matthias Loibner und Perkussionist Peter Rosmanith zugleich auch Improvisatoren mit energischem Eigenprofil.

So wird die CD (bei Traumton) zu einer Reise durch die Ideenwelt eines Trios, das an einem auratischen Gesamtklang arbeitet (zwischen Jazz und Weltmusik) und zugleich die Freiheit der Intervention nutzt, um die Beschaulichkeit mit Intensität aufzuladen. Vielleicht ist nicht zufällig ja auch eine Version von Joe Zawinuls In a Silent Way dabei, als kontemplative Plattform, auf der subtil kommuniziert wird.

Drei Erzähler

"Unsere Besetzung", so Peter Rosmanith, "gibt uns auch die Freiheit, nicht in den Vergleich mit anderen zu schlittern. Die selbst auferlegte Verpflichtung? Die Musik ist gemeinsam zu entwickeln, es gibt nicht 'den' Solisten, alle drei erzählen, jeder ist aber auch Begleiter. Wir wollen Geschichten voller Farben, Energien, aber auch voll der Ruhe eines Herbsttages erzählen." Matthias Loibner ergänzt: "Es ist wie bei einem Gespräch. Da gibt's Zuhören und Erzählen, aber auch die Atmosphäre, die es erlaubt, sich zurückzulehnen. Und die erschaffen wir uns gegenseitig."

Der Titel der CD – Tales of Herbst – habe sich aber "aus der Aufnahmesituation des Spätherbstes, mit den schönen Nebelbildern des Waldviertels ergeben". Franz Hautzinger dazu: "Beim Kontrollhören der Musik, die eher frühlingsartig in unserer Fantasie erklang, hatte sich herausgestellt, dass wir ein 'dunkles Herz' beschrieben, quasi reine Melancholie."

Trübsinnig klingt das alles aber nicht, eher erhebend trostvoll. Was bedeutet aber Brot & Sterne? "Brot steht für mich für das kraftvolle, ungekünstelte unserer Musik. Die Sterne stehen für Weite, Fantasie und grenzenlose Freude", so Rosmanith, der die Triokonstellation "als Glücksfall" beschreibt. Nach Hautzinger hat dies alles auch "immer mit Rücksichtnahme zu tun. Es geht ja um die Freude am Zusammenbauen der Musik, sie in Realtime zu formen. Dafür muss man Rücksicht nehmen und Verantwortung übernehmen und auch mutig sein. Ich liebe das Risiko des Improvisierens, den impliziten möglichen freien Fall – plus eben die rücksichtsvolle Aufmerksamkeit." Das Trio sei dabei die ideale Besetzung für Experimente.

Tales verweist auf Geschichten. Würden sie übersetzt von Tönen in Begriffe, wovon würden sie handeln? "Eher von dem, was entsteht, wenn man die Augen schließt und die ganze Welt, das ganze Leben durch Körper und Geist strömt lässt", so Hautzinger. (Ljubisa Tosic, 3.3.2017)

6. 3. Brot & Sterne, Wien, Radiokulturhaus, 19.30

  • Intensiv und beschaulich zugleich: Franz Hautzinger, Matthias Loibner und Perkussionist Peter Rosmanith.
    foto: hans ringhofer

    Intensiv und beschaulich zugleich: Franz Hautzinger, Matthias Loibner und Perkussionist Peter Rosmanith.

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