Blauer Lurch küsst grünen Frosch

5. März 2017, 10:00
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Die Annäherung zwischen Peter Pilz und Heinz-Christian Strache: ein Triumph der Leidenschaft, nirgendwo so packend dargestellt wie in "Österreich"

Irrwege der Erotik: FP-Chef will "den hässlichen grünen Frosch Pilz küssen". Zunächst wollte er ja nicht, und der hässliche grüne Frosch musste alles an Reizen aufbieten, was ihm zu Gebote stand, um einen Eurofighter-Untersuchungsausschuss auf die Beine zu kriegen, ohne Verpflichtung, den hässlichen blauen Lurch allzu heftig zurück küssen zu müssen.

Es wurde dann ein Triumph der Leidenschaft, und nirgendwo ward der Höhepunkt so packend dargestellt wie in "Österreich". Wir hatten nach der Sitzung des Nationalen Sicherheitsrates ein langes und sehr konstruktives Gespräch, schilderte Peter Pilz dem Blatt, wie es zu der Kohabitation kam. Die Vorgänge verjähren, lockte Pilz zärtlich mit einem Geheimnis, das Strache bis dahin unmöglich erraten konnte – und das in ihm dieses unabweisliche Kussbedürfnis auslöste: Er war nicht bereit, die Verantwortung dafür zu übernehmen, dass die Republik auf mögliche Ansprüche so verzichtet. Schmatz!

Dichands Freund Franks Freund Donald

Klimts "Kuss" nichts dagegen, aber dass die Ansprüche der Republik von grün-blauer Küsserei abhängen sollen, gehört zu deren politischen Besonderheiten. Ein Foto, das dem Bericht in "Österreich" beifügt ist, erzählt die Geschichte etwas anders. Pilz und Strache stehen einander auf Abstand neben einem Auto auf dem Ballhausplatz gegenüber, dazu der Text: Hier (ein Pfeil betont die historische Bedeutung des Ereignisses) überredet Pilz Strache zum U-Ausschuss. Mitten auf der Straße, weit und breit nicht einmal der Ansatz zu einem Kuss! Wenn das nur kein schlechtes Omen für den Ausschuss ist.

So weit zur Lokalgeschichte. Wie man die kürzeste Verbindung zwischen sich und der Weltgeschichte herstellt, hat wieder einmal die "Kronen Zeitung" vorgezeigt. Da wurde Dichands Freund Frank ohne viel Federlesens zu Franks Freund Donald, womit der Leser sich leicht ein Bild davon machen kann, wie kurz erst die Verbindung zwischen Dichand und Donald sein muss, zumindest die geistige. Frank Stronach & Donald Trump. Der eine baut gerade eine Farm auf der Fläche Wiens – die Stadt wird vermutlich nach Florida übersiedelt –, der andere macht America great again. Was die beiden Milliardäre verbindet und was sie planen?

Verhinderter Treffzwang

Es verbindet sie nichts, aber das ist der "Krone" wurscht, wenn es gilt, zwei Ikonen des Dichand’schen Universums zusammenzuschmieden. Die beiden mussten einander vor zehn Jahren geradezu finden. Stronach: "Ich habe viel Land, und der Donald ist ein großer Bauträger." Mal traf man einander im Trump-Tower in New York, dann wieder auf Stronachs mondäner Rennbahn in Florida. Eine Zeit lang waren sie fast Nachbarn in Palm Beach, bis Stronach sein Anwesen verkaufte.

Doch obwohl die beiden einander vor zehn Jahren geradezu finden mussten, scheinen sie sich doch nicht gefunden zu haben, äußerte Stronach doch auf die Frage der "Krone": Haben Sie sich schon mit Trump getroffen? den sehnsüchtigen Wunsch: "Ich will ihn bald treffen." Wenn es so weit ist, wird die "Krone" dabei sein, versprochen. Fotoshopmäßig hat sie damit schon begonnen. In ein großes Foto von Trump mit erhobenem Daumen vor amerikanischen Flaggen hat sie Frank in gleicher Pose hineinkopiert.

Denn wo sie zur höheren Ehre der Auflage Freundschaft stiften will, ist sie gnadenlos. Ihr Freund Donald Trump hat mit einem ähnlichen Programm (gemeint ist, wie Frank in Österreich) in den USA die Wahl gewonnen. Haben Sie eine Erklärung dafür? Aber sicher. "Ich hätte mir auf Englisch wahrscheinlich leichter getan. Ich bin 60 Jahre weg, mein Deutsch war ein bisschen ein Problem."

Ein Buch für den großen Leser Donald

Aber nur ein bisschen. An seinen politischen Vorstellungen kann es nicht gelegen sein. Obwohl Stronach eigentlich mit Bill Clinton befreundet ist, unterstützt er Trump: "Hillary ist eine Sklavin der Wallstreet. Es ist gut, wenn jemand von außen kommt." Allerdings nicht immer, wie sein eigenes Beispiel beweist. Da kommt man schon ins Sinnieren, und prompt fragt die "Krone": Sie werden im Herbst 85. Welche Gedanken haben Sie? Nur tiefe, mit anderen würde er dem Blatt gar nicht kommen. "Von Zeit zu Zeit lehnst du dich zurück und überlegst: Was kann ich noch tun für eine bessere Gesellschaft? Was sind die Mindestprinzipien einer zivilisierten Gesellschaft? Ich schreibe gerade ein Buch darüber.

Das erscheint sicher in Fortsetzungen in der "Krone", vielleicht statt der Kolumne von Dr. Tassilo Wallentin. Und ein Widmungsexemplar bitte an den Freund Donald. Der soll ein großer Leser sein. (Günter Traxler, 5.3.2017)

  • Klimts "Kuss" nichts dagegen.
    foto: apa / hans klaus techt

    Klimts "Kuss" nichts dagegen.

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