Erdogan-Biopic: Für Kritiker "verklärender Propaganda-Film"

    3. März 2017, 15:20
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    "Reis" erzählt vom Aufstieg des Staatspräsidenten als "Freund des Volkes". Erdogan-Kritiker haben gemeinsames Protestschreiben verfasst

    Wien – Mit "Reis" läuft am Freitag auch in einigen österreichischen Kinos ein Biopic über den türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan an. Es erzählt von Kindheit und Aufstieg des "Reis" – ein ehrerbietiger Begriff für "Oberhaupt". Kritiker sehen einen "verklärenden Propaganda-Film", pünktlich zum Referendum über die Einführung des Präsidialsystems, und verlangen die Absetzung.

    "Reis", wie Erdogan-Anhänger den Staatspräsidenten nennen, stellt Episoden aus dessen Biografie dar – von dem hilfsbereiten Buben über den volksnahen Bürgermeister von Istanbul bis zu seiner Verurteilung wegen Volksverhetzung 1999, weil er jenes Gedicht zitierte, das Kritiker auch heute als politisches Credo mit ihm in Verbindung bringen: "Die Demokratie ist nur der Zug, auf den wir aufsteigen, bis wir am Ziel sind. Die Moscheen sind unsere Kasernen, die Minarette unsere Bajonette, die Kuppeln unsere Helme und die Gläubigen unsere Soldaten." Diese Rezitation stellt auch die Schlussszene dar.

    "Feind der Unterdrücker"

    Den etwa acht Millionen Dollar (7,61 Mio. Euro) teuren Film drehte Regisseur Hüdaverdi Yavuz, der bisher für das türkische Staatsfernsehen arbeitete, die Hauptrolle spielt Reha Beyoglu. Im Gespräch mit der "Berliner Zeitung" betonte der Schauspieler, es handle sich nicht um einen politischen Film, er habe aber eine klare Botschaft: "In seiner Kindheit, der Jugend und jetzt ist Erdogan dieselbe Person: Ein Feind der Unterdrücker und ein Freund des Volkes."

    Obwohl der Film schon länger fertiggestellt war, haben sich die Macher entschieden, ihn erst jetzt in die Kinos zu bringen, laut ihren Angaben, um ihn Erdogan zum Geburtstag (am 26. Februar) "zu schenken". Die Galapremiere in Istanbul fand am Sonntag statt.

    "Eine einzige Verklärung"

    Mehrere Erdogan-kritische Stimmen haben sich zum Filmstart in Österreich gemeinsam gegen die Aufnahme ins Kinoprogramm gestellt, darunter die Föderation der Aleviten Gemeinden in Österreich und die Plattform "Nein" gegen die Einführung eines Präsidialsystems. Der Film stelle "eine einzige Verklärung und Hommage dar", die dem Präsidial-Referendum "propagandistisch Vorschub leisten" solle.

    Die Kinos sowie die politisch Verantwortlichen werden in dem Protestschreiben aufgefordert, die Absetzung des Streifens zu erwirken. Laut "Skip"-Kinoprogramm ist "Reis" in Wien im Hollywood Megaplex Gasometer und in der UCI Millennium City, sowie in zwei Vorarlberger Kinos, der Kinothek Lustenau sowie dem Metro Kino Center in Bregenz zu sehen. (APA, 3.3.2017)

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