"Trümmerkind": Rückkehr des Verdrängten

    7. März 2017, 10:54
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    Der Krimi von Mechtild Borrmann erzählt von dunklen Familiengeheimnissen, die nach dem Chaos der Nachkriegszeit ans Licht kommen

    Im Hungerwinter von 1946/47 findet ein Halbwüchsiger in den Trümmern von Hamburg eine Frauenleiche. Nichts Ungewöhnliches. Auch dass man den Toten die Mäntel auszieht, die sie nicht mehr brauchen. Hanno ist aber verstört, weil die Leiche nackt ist. Er erzählt niemandem davon, denn er hat seine Schwester mit, und was sie tun, ist verboten. Sie stöbern in den Trümmern nach allem, was sich verkaufen lässt. Was sie diesmal zu ihrer Mutter mitbringen, wird ihr Leben verändern.

    Sie finden einen stummen Buben, der allein ist. In den Nachkriegswirren ist es nicht schwer, für das Findelkind falsche Papiere zu besorgen. Mechtild Borrmann erzählt eine Familiengeschichte mit Vertreibungen, Mord und Lebenslügen. Jahrzehnte später kommen Geheimnisse ans Licht, die aus dem Chaos der Nachkriegszeit einen Kriminalfall machen. Trümmerkind ist deshalb so beeindruckend, weil Borrmann sich einer sachlichen Sprache bedient, es gibt keinen Platz für Pathos. Und: Verhungernde zwischen Trümmern sind immer noch aktuell. (Ingeborg Sperl, Album, 7.3.2017)

    • Mechtild Borrmann, "Trümmerkind". € 20,60 / 300 Seiten. Droemer, München 2016
      foto: droemer

      Mechtild Borrmann, "Trümmerkind". € 20,60 / 300 Seiten. Droemer, München 2016

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