Gemeinnützige Bauträger wehren sich gegen privates Kapital

3. März 2017, 12:19
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Wegen befürchteter Steigerung der Wohnkosten bzw. Mieten – "Gemeinnütziger Kreislauf würde zerstört"

Wien – Der Verband der gemeinnützigen Bauvereinigungen (GBV) lehnt die geplante Öffnung des Sektors für den Einstieg privater Geldgeber, wie sie die Regierung plant, ab. Grundsätzlich begrüße man eine solche Mobilisierung von Privatkapital, konkret befürchte man aber einen Abfluss von gemeinnützigem Kapital und letztlich eine Steigerung der Wohnungskosten, also der Mieten, warnte der Verband am Freitag.

Mit der geplanten Neuregelung verbunden sei der Abverkauf von Anteilen an gemeinnützigen Bauvereinigungen, steigender Druck auf Dividenden und der Verkauf von Gebäuden bzw. Wohnungen. Mit dem beabsichtigten Plan werde "der gemeinnützige Kreislauf zerstört", befürchtet der GBV laut Aussendung.

Grundsätzlich würden die Gemeinnützigen die Zielsetzung der Mobilisierung von privatem Kapital für den Wohnbau begrüßen – mit der geplanten Neuregelung sei dies aber nicht erzielbar. Vorstand und Aufsichtsrat des Verbandes würden sich daher ausdrücklich dagegen aussprechen, wird betont.

"Genickschuss" für sozialen Wohnbau

Laut neuem Arbeitsprogramm der Regierung von Ende Jänner sollen institutionellen Anlegern Investitionen in Anteile gemeinnütziger Wohnbauträger erlaubt werden, indem der künftige Verkaufspreis dieser Anteile über dem Kaufpreis liegen darf, ohne dass es zu höheren Gewinnausschüttungen kommen müsse. So etwas sei "striktens zu unterbinden", denn damit würde die Gemeinnützigkeit unterbunden, warnte Grünen-Bautensprecherin Gabriela Moser kürzlich; das wäre "der Genickschuss" für den sozialen Wohnbau, meinte sie, da die Anteile samt Dividende lukrativer werden müssten. Derzeit sind Gewinnausschüttungen per Wohnungsgemeinnützigkeitsgesetz (WGG) limitiert.

Auch der Obmann der Tiroler ARGE Eigenheim, Christian Switak, warnte dazu vor einem Ende der Gemeinnützigkeit: Es drohe ein Zugriff auf die steuerfreien Gewinne der Gemeinnützigen und eine Schwächung von deren Eigenkapitalausstattung. Die Umsetzung des Regierungsplans schaffe "keine einzige zusätzliche wohnbaugeförderte Wohnung in Österreich". Die "Presse" hatte vorgerechnet, dass die Gemeinnützigen bei Umsetzung des Regierungsplans von unter 700 Mio. Euro auf rund 11 Mrd. Euro aufgewertet werden könnten. Denn die Differenz zwischen einbezahltem Grundkapital und dem echten Wert der Gemeinnützigen – Grundkapital plus Reserven plus einbehaltene Gewinne – sei beträchtlich. (APA, 3.3.2017)

  • Wegen einen befürchteten Anstiegs der Wohnungskosten lehnen gemeinnützige Bauträger private Beteiligungen ab.
    foto: getty images

    Wegen einen befürchteten Anstiegs der Wohnungskosten lehnen gemeinnützige Bauträger private Beteiligungen ab.

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