Weiterhin hohe Lohnunterschiede in der Privatwirtschaft

3. März 2017, 11:42
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Frauen erhalten 21,7 Prozent weniger Gehalt pro Stunde als Männer – Österreich bei Einkommensschere deutlich über europäischem Durchschnitt

Wien – Frauen verdienen in der heimischen Privatwirtschaft weiterhin deutlich weniger als ihre männlichen Kollegen. Das zeigt eine am Freitag veröffentlichte Analyse von Statistik Austria anlässlich des Frauentags am 8. März. Pro Stunde erhalten weibliche Beschäftigte um 21,7 Prozent weniger. Damit liegt Österreich bei der Einkommensschere über dem EU-Schnitt von 16,3 Prozent.

Nur zum Teil erklärbar

Der Lohnunterschied zwischen den Geschlechtern ist in den vergangenen Jahren zwar gesunken, allerdings immer noch groß: 2006 verdienten Frauen in der Privatwirtschaft noch 25,5 Prozent weniger. Die von der Statistik Austria veröffentlichten Zahlen beziehen sich auf das Jahr 2015. Analysen der Statistik Austria zeigen, "dass messbare Gründe wie Unterschiede nach Branchen und Berufen, in denen Frauen und Männer tätig sind, nur einen Teil des Lohnunterschiedes erklären".

Höheres Bildungsniveau

Aufgeholt haben Frauen laut den aktuellen Daten beim Bildungsniveau. Der Anteil der Akademikerinnen lag 2014 mit 17,3 Prozent leicht über dem der Männer mit 15,1 Prozent. Die Erwerbstätigenquote der 15- bis 64-jährigen Frauen erhöhte sich von 61,1 Prozent im Jahr 2005 auf 67,1 Prozent zehn Jahre später. Bezogen auf die berufliche Tätigkeit übten 2015 jedoch nur 3,8 Prozent der unselbstständig erwerbstätigen Frauen eine führende Tätigkeit aus. Bei den Männern waren es dagegen 8,9 Prozent.

Seltener in Führungspositionen

Selbst bei gleichen Bildungsabschlüssen waren Frauen seltener in Führungspositionen vertreten. Besonders deutlich wird dies bei Akademikern: Hier übten 22,6 Prozent der Männer, aber nur 8,4 Prozent der Frauen eine führende Tätigkeit aus. Weitere Unterschiede zeigen sich nach Branchen. Im Jahr 2015 arbeiteten 24,9 Prozent der unselbstständig erwerbstätigen Männer in der Herstellung von Waren. Frauen waren dagegen besonders häufig im Handel (18,4 Prozent) und im Gesundheits- und Sozialwesen (17,1 Prozent) beschäftigt.

Mehr Teilzeitarbeit

Zudem gehen laut Statistik immer mehr Frauen einer Teilzeitbeschäftigung nach. Der Anteil stieg von 39,5 Prozent (2005) auf 47,4 Prozent (2015). Damit ist fast die Hälfte der Frauen teilzeitbeschäftigt. "Die verstärkte Teilnahme der Frauen am Arbeitsmarkt ist auch ausschließlich auf die steigende Zahl von Teilzeitjobs zurückzuführen", heißt es laut Statistik Austria. Bei den Männern zeige sich zwar ebenfalls eine Zunahme der Teilzeitbeschäftigung, diese ist aber nach wie vor geringer.

Betreuungsaufgaben

Vor allem Frauen mit Kindern unter 15 Jahren sehen in Teilzeitbeschäftigung häufig die einzige Möglichkeit, neben den Betreuungsaufgaben einer Erwerbstätigkeit nachzugehen. Im Jahr 2015 waren 74,5 Prozent der aktiv erwerbstätigen Frauen (also ohne Elternkarenz) im Alter von 25 bis 49 Jahren mit Kindern unter 15 Jahren teilzeitbeschäftigt. Bei Männern waren es 6,6 Prozent. Teilzeitbeschäftigung von Frauen wird daher häufig als eine Ursache für die großen Lohnunterschiede angeführt.

Gender Pay Gap im EU-Vergleich

Im EU-Vergleich zählt Österreich zu den Ländern mit den größten Lohnunterschieden, vergleicht man die durchschnittlichen Bruttostundenverdienste von Frauen und Männern in der Privatwirtschaft. Trotz eines Rückgangs des Gender Pay Gap von 25,5 Prozent (2006) auf 21,7 Prozent (2015) liegt man weiterhin deutlich über dem EU-Durchschnitt von 16,3 Prozent. Schlechter liegen nur Estland als Spitzenreiter, gefolgt von Tschechien und Deutschland. In Schweden oder Dänemark liegt der Gender Pay Gap dagegen, trotz vergleichbar hoher Werte bei Erwerbsbeteiligung und Teilzeitbeschäftigung der Frauen, unter dem EU-Durchschnitt.

Niedrigere Pensionen

Ein Grund für die hohen Einkommensunterschiede ist laut Statistik Austria die Berufswahl, da Frauen öfter in schlechter bezahlten Dienstleistungsberufen und in Branchen mit geringeren Verdienstmöglichkeiten arbeiteten als Männer. Das Dilemma: In Summe führten die niedrigeren Erwerbseinkommen und Versicherungsverläufe, etwa durch Kindererziehung, auch zu niedrigeren Pensionen und anderen sozialen Risiken. (APA, 3.3.2017)

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