Auch bei Firmengründungen holen Frauen langsam auf

2. März 2017, 17:54
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Besonders oft Friseurinnen, Kosmetikerinnen, Boutiquenbesitzerinnen

Wien – "70 Prozent der Frauen sind erwerbstätig, das ist sogar etwas mehr als im EU-Schnitt", sagt Martha Schultz, Bundesvorsitzende von Frau in der Wirtschaft (FiW). Auch bei den Unternehmensgründungen sind die Frauen im Vormarsch. 44 Prozent der Gründungen werden von Frauen durchgeführt.

Aus diesem Wert herausgerechnet wurde die Personenbetreuung, also Pflegetätigkeiten, da dieses Einzelunternehmertum in der Regel von Frauen ausgeübt wird. Rechnet man die Personenbetreuerinnen aber hinein, liegt der weibliche Unternehmensgründerwert bei 60,7 Prozent.

Aufbruch der Männerdomänen

Schultz, die auch Vizepräsidentin der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) ist, hofft, dass bei den Firmengründungen in Zukunft auch typische Männerdomänen erobert werden. So sei die Start-up-Szene, die eher technologielastig ist, von Männern dominiert. Auch schlage da durch, dass Frauen vorsichtiger an die Unternehmensgründung herangehen – dann aber auch weniger oft scheitern. Bei Betriebsgründungen in den Sparten Transport und Verkehr oder gar Industrie sind Frauen stark unterrepräsentiert. "Ich sage das als Seilbahnerin", sagt die Tirolerin von der Schultz Gruppe.

Damit das Verhältnis Mann/Frau in der Unternehmerszene ausgewogener wird, plädiert sie für Maßnahmen wie ausgeweitete Kinderbetreuung, vor allem für den Kindern unter drei Jahren. Kinderbetreuungskosten sollten nicht wie derzeit bis zum 10. Lebensjahr, sondern bis zum vollendeten 14. Lebensjahr steuerlich absetzbar sein. Etwa die Hälfte der selbstständigen Frauen haben Kinder.

Mehr Flexibilisierung

Ein Flexibilisierungsschub bei den Arbeitszeiten würde Frauen – Arbeitnehmerinnen ebenso wie Unternehmerinnen – helfen. Aus dem Tourismus weiß Schultz, dass eine Flexibilisierung innerhalb einer Sieben-Tage-Woche beiden Seiten helfen würde. Einzelvereinbarungen zwischen Arbeitgeberin und Arbeitnehmerin sollten möglich sein – alles ohne Ausweitung der wöchentlichen Arbeitszeit.

Die Entscheidung für eine Unternehmensgründung liegt laut einer Motivumfrage des Gründerservice vom Vorjahr hauptsächlich bei der flexiblen Lebensgestaltung. Auch wird geschätzt, dass man seine eigene Chefin ist. (Johanna Ruzicka, 3.3.2017)

  • Seine eigene Chefin sein: WKO-Vizepräsidentin Martha Schultz.
    foto: weinwurm

    Seine eigene Chefin sein: WKO-Vizepräsidentin Martha Schultz.

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