Wenn Stürme Wälder verwüsten, freuen sich die Insekten

5. März 2017, 12:00
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Sturmversehrte Wälder beherbergen doppelt so viele Insektenarten wie intakte Wäldern, fanden Forscher heraus

Zürich – Wenn heftige Stürme Wälder verwüsten, freut das die Insektenwelt: Die Artenvielfalt ist auf solchen Waldflächen deutlich höher als im intakten Wald, wie Wissenschafter des Schweizer Forschungsinstituts für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) nun im im Fachjournal "Forest Ecology and Management" berichten.

Nach Stürmen seien schattige Waldabschnitte häufig sonnig und es entstehe viel Totholz – paradiesische Bedingungen für Insekten, wie die Forscher um Beat Wermelinger und Martin Obrist schreiben: Auf Windwurfflächen finden sich demnach im Schnitt doppelt so viele Insektenspezies wie in benachbarten intakten Waldabschnitten.

Für ihre Studie untersuchten die Biologen drei Waldflächen in der Schweiz, die 1999 durch den Orkan "Lothar" verwüstet wurden: Einen Buchenwald in Sarmenstorf, einen Fichtenwald in Messen und einen Mischwald in Habsburg. Auf diesen Flächen und im angrenzenden unversehrten Wald sammelten sie während zwei Sommern Insekten und bestimmten sie.

Teilräumung empfohlen

Das Ergebnis: Von Bienen, Wespen und Wanzen fanden sich fast viermal mehr Arten auf den Sturmflächen als im intakten Wald. Zudem lockte das Totholz auf den Windwurfflächen gefährdete Käferarten an, so Wermelinger. "Die intakten Wälder beherbergen hingegen eher weniger exklusive Arten." Als Beispiele nannte der Forscher Lauf- und Borkenkäfer, besonders auch eingeschleppte Arten.

Da Waldbesitzer nach Stürmen oft die umgestürzten Stämme verkaufen, verglichen die Forscher außerdem die Artenvielfalt auf geräumten und ungeräumten Sturmflächen. Die Anzahl gefundener Arten unterschied sich zwar kaum, dafür aber die Artenzusammensetzung: Nur knapp zwei Drittel der Spezies kamen auf beiden Flächentypen vor.

Das erkläre sich dadurch, dass durch die Räumung zwar bestimmte Lebensräume – insbesondere Totholz – teilweise verschwinden würden, so die Forscher. Dafür würden aber andere Mikrohabitate entstehen. Am besten für die Artenvielfalt sei daher, nach heftigen Stürmen Windwurfflächen teils zu räumen und teils ungeräumt zu lassen so das Resümee der Studie. (APA, red, 5.3.2017)

  • Profiteur der Verwüstung: der gefährdete Eichen-Zangenbock.
    foto: beat wermelinger/wsl

    Profiteur der Verwüstung: der gefährdete Eichen-Zangenbock.

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