Gemini: Start-up lässt den PDA wiederauferstehen

9. März 2017, 11:04
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Gerät mit Android und Desktop-Linux im Smartphone-Format stößt auf großes Interesse

Sie waren in den 1990ern Begleiter so mancher Menschen auf Geschäftsreisen. Einfache Arbeiten ließen sich darauf erledigen, mit ein paar Spielen konnte man sich die Zeit vertreiben und spätere Modelle waren sogar internetfähig und mit einem Browser ausgestattet – die klassischen PDAs. Insbesondere die britische Firma Psion war hier gut im Geschäft.

Doch mit der zunehmenden Verbreitung von Laptops und dem Auftauchen von Subnotebooks ging die Ära dieser Geräteklasse zur Jahrtausendwende zu Ende. Das Londoner Start-up Planet Computers will sie nun mit dem "Gemini" wieder zum Leben erwecken – im Smartphone-Format mit Android und Linux.

planet computers

WLAN- und LTE-Variante

Das Projekt steckt aktuell noch in der späten Konzeptphase, es gibt laut den Entwicklern bereits einen vollfunktionalen Prototypen. Dennoch ist das Interesse an dem per Crowdfunding mitfinanzierten Projekt groß. Einen Monat vor Abschluss der Indiegogo-Kampagne hat man das Ziel von 200.000 Dollar schon fast um 100.000 Dollar übertroffen.

Auch ein ähnliches Produkt, der GPD Pocket, ein Sieben-Zoll-Netbook mit Windows 10, verzeichnete hohe Nachfrage.

Geplante Spezifikationen

Gemini ist ein Gerät mit 5,7-Zoll-Display und längsseitig angebrachter Qwerty-Tastatur, das sich wie ein Notebook aufklappen lässt. Es soll in zwei Varianten – einmal als WLAN-only-Ausgabe und einmal mit SIM-Slot und LTE-Support – angeboten werden. Standardmäßig führt Gemini Android aus, per Dualboot soll sich aber auch eine reguläre Linux-Distribution ausführen lassen. Welche Distribution zum Einsatz kommen soll, wird nicht aufgeführt.

foto: planet computers

QHD+-Display

Es gibt auch schon eine Liste jener Spezifikationen, die die finale Ausgabe erfüllen soll. Beim Display will man ein Panel mit 18:9-QHD+-Auflösung (2.880 x 1.440) liefern, wie es sich im gleichen Format etwa beim LG G6 findet. Dazu kommt ein Zehnkernprozessor, der Helio X25 von Mediatek, mit vier GB RAM zum Einsatz.

Vier GB RAM will man verbauen, ebenso wie 64 GB Onboardspeicher nebst microSD-Slot zur Erweiterung. Auf eine Hauptkamera will man anscheinend verzichten, offenbar soll nur eine Frontkamera mit fünf Megapixel Auflösung verbaut werden. Die üblichen anderen drahtlosen Basics (ac-WLAN, Bluetooth 4.0, NFC) sind an Bord. Peripherieanschluss und Aufladung sollen über zwei USB-C-Schnittstellen laufen.

Zwei Wochen Stand-by

Stereo-Lautprecher sollen wiederum guten Sound liefern. Google Now bzw. der Google Assistant sollen sich über eine eigene Taste flott aktivieren lassen. Sprachsteuerung soll auch möglich sein, wenn das Gerät zugeklappt ist.

Ein Fokus liegt auch auf langer Akkulaufzeit. Hierfür sieht der Plan den Einbau eines Akkus mit 8.000 mAh vor, der sich austauschen lassen soll. Angestrebt werden zwei Wochen Standby-Zeit bzw. zwölf Stunden Sprechzeit. Die geplanten Maße betragen 17,1 x 8 x 1,35 Zentimeter bei 400 Gramm Gewicht.

foto: planet computers

Gerichtet ist Gemini laut den Erfindern an Interessenten, die eine kompakte Alternative zu ihrem Laptop suchen, auf der sich aber auch noch Schreibarbeiten ausführen lassen. Man denkt etwa an Berater oder Blogger. Die Gestaltung des Gerätes erinnert auch nicht ganz zufällig an die einstigen Produkte von Psion. Denn Planet Computers arbeitet mit der Beratungsfirma von Martin Riddiford zusammen, die einst schon die Psion-PDAs in den 1990ern mitgestaltet hat.

Lieferstart für November geplant

Derzeit befinde man sich im Gespräch mit Zulieferern diverser Bauteile, schreibt man zum Status quo der Entwicklung. Gemini wird aus bereits verfügbaren Komponenten gefertigt, lediglich das Keyboard möchte man selber fertigen lassen. Sofern wirtschaftlich machbar, strebt man außerdem einen Zusammenbau in Großbritannien an.

Im Moment visiert man November dieses Jahres als Termin für den Lieferstart an, erklärt allerdings selber, dass es sich dabei um ein "ambitioniertes Ziel" handelt. Unterstützer sollen sich einen Gemini für 299 Dollar (rund 284 Euro, WLAN-only-Ausgabe) bzw. 349 Dollar (rund 332 Euro, LTE-Version) sichern können.

foto: planet computers

Risiken

Die Entwicklung eines komplexen Hardwareproduktes kann auf vielerlei Art in Verzug geraten, das Risiko eines verschobenen Liefertermins für dieses Projekt ist also beachtlich. Dazu sind die Hardware-Spezifikationen noch nicht final, Änderungen also möglich. Nicht unterschätzt werden sollte auch das Risiko des Scheiterns, womit – wie bei den meisten Crowdfunding-Projekten – der Verlust der eigenen Investition verbunden sein kann. (gpi, 9.3.2017)

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