Deniz Yücel dankt Unterstützern: "Tut verdammt gut"

1. März 2017, 17:39
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"Welt"-Korrespondent beschreibt Bedingungen von Untersuchungshaft in der Türkei – "Verhör und Urteilsbegründung bringen mich immer noch zum Lachen"

Berlin/Ankara – Der in Istanbul inhaftierte deutsch-türkische Journalist Deniz Yüzel hat sich über seinen Anwalt mit einer kurzen Botschaft an seine Freunde und Unterstützer gewandt. "Glaubt mir: Es tut gut, verdammt gut", hieß es in der handschriftlichen Notiz an die Adresse derjenigen, die sich für seine Freilassung einsetzen. Der Text wurde von Yücels Zeitung "Die Welt" (Donnerstagsausgabe) veröffentlicht.

Auf dem Zettel mit der Anrede "Hallo Welt" beschreibt Yücel, dass sich seine Haftbedingungen in der Untersuchungshaft im Vergleich zum vorherigen Polizeigewahrsam verbessert hätten. "Tageslicht! Frische Luft! Richtiges Essen! Tee und Nescáfe! Rauchen! Zeitungen! Ein echtes Bett! Eine Toilette für mich alleine, die ich aufsuchen kann, wann ich will", schreibt er in der Notiz. Tagsüber könne er sich mit einer Handvoll politischer Häftlinge in Küche und Hof aufhalten, abends habe er eine Zelle für sich allein.

"Noch immer zum Lachen"

"Es mag sich merkwürdig anhören, aber mir kommt es so vor, als hätte ich ein kleines Stück meiner Freiheit zurückgewonnen", kommentiert Yücel die Veränderungen. "Und obwohl sie mich meiner Freiheit beraubt, bringen mich das Verhör und die Urteilsbegründung noch immer zum Lachen."

Yücel schrieb die Notiz laut "Welt" am Mittwoch in der Untersuchungshaftanstalt Metris, kurz bevor er am Vormittag in das Gefängnis Silivri, ebenfalls in Istanbul, verlegt wurde. Dem Blatt zufolge sollen dort ähnliche Bedingungen herrschen wie in Metris.

Nach Auskunft seines Anwalts drohen Yücel zehneinhalb Jahre Haft. Dies sei die Höchststrafe für Volksverhetzung und "Terrorpropaganda", die dem deutsch-türkischen Journalisten zur Last gelegt werden, sagte der Rechtsanwalt Anwalt Veysel Ok. Dieser legte demnach Einspruch gegen die Untersuchungshaft für Yücel ein. Der Journalist hatte sich am 14. Februar freiwillig der Polizei gestellt. (APA, 1.3.2017)

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