Bargeld to go aus dem Supermarkt

4. März 2017, 13:00
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Die Sorge, dass mit der Ausdünnung der Bankfilialen auch die Zahl der Geldtankstellen sinkt, erscheint unbegründet

Wien – Die heftig geführte Bargelddebatte ist verebbt. Wenn auch vermutlich nur vorübergehend. In der jüngeren Vergangenheit standen die Bankomaten im Mittelpunkt. Und die Sorge, dass mit der Ausdünnung des Filialnetzes der Banken auch die Zahl der Geldausgabeautomaten schrumpft. Konsumenten müssten sich zunehmend darauf einstellen, dass der Zugang zu und die Verwendung von Bargeld künftig immer schwieriger wird, so die Befürchtung. Das mag in manchen Fällen auch stimmen, doch gleichzeitig werden die technischen Möglichkeiten zur elektronischen oder mobilen Zahlung laufend mehr. Wer jedoch meint, dass die Infrastruktur für die Bargeldbehebung wesentlich schlanker wird, der dürfte irren. Neue Geldausgabemöglichkeiten schafft vor allem der Einzelhandel. Langfristig vermutlich mehr, als Bankfilialen zusperren.

Service für die Kunden

Die Zahl der Orte, an denen Konsumenten Bargeld beheben können, wird laut Expertenschätzungen sogar dramatisch steigen. Für Supermärkte ist das ein Kundenbringer, und es hilft bei der Bargeldentsorgung. Wenn dort mehr aus- als eingezahlt wird, was die Regel ist, dann haben Handelsketten gleichzeitig das Bargeldentsorgungsproblem reduziert. Eine durchaus teure Angelegenheit, denn der Vertrag mit Gelddienstleistern kostet. Was in Deutschland schon lange gang und gäbe ist, ist hierzulande aber noch eher in der Entwicklungsphase.

Bei 1500 Märkten der Rewe-Gruppe, Billa, Penny und seit Ende 2016 auch Merkur, ist es mittlerweile möglich, sich dank "Cashback-Funktion" bis zu 100 Euro je Einkauf auszahlen zu lassen. "Bargeld to go" gibt es für Vorteilskartenkunden, die mit Bankomatkarte zahlen. Der Vorteil laut Pressemann Paul Pöttschacher: "Wir können auch Cent- und unrunde Euro-Beträge auszahlen. Und wir sparen den Kunden den Weg zum Bankomaten und damit Zeit." Wie gut die Resonanz ist, darüber hält man sich bedeckt. Nur so viel: Der Service werde gut genützt – Tendenz steigend. Wiener greifen stärker darauf zu als etwa Kunden in Vorarlberg. Durchgeführt wird er vom Schweizer Zahlungsabwickler Six Payment Services. Sprecherin Katharina Praschl sagt, dass andere große Handelsketten Interesse hätten.

Erst Tanken, dann Zahlen

Spar springt laut Sprecherin Nicole Berkmann auf den Zug nicht auf. Hier bleibt man bei der Kooperation mit Bankomatbetreibern. "Zu 85 Prozent wird im Lebensmittelhandel bar gezahlt." An jedem zweiten Standort steht ein Bankomat, wo Kunden zuerst Geld tanken, dann bar zahlen.

Auch die Banken suchen neue Wege zu den Kunden. So hat die Erste Bank 188 OMV-Tankstellen mit Bankomaten ausgerüstet. Geld tanken an der Tankstelle ermöglicht auch die Bawag-Tochter Easybank. An 125 Shell-Stationen stehen spezielle Kassenterminals mit Bankomatfunktion. (Regina Bruckner, 4.3.2017)

  • Wird an der Kassa gerade ein- oder ausgezahlt? Immer öfter können Kunden in Supermärkten oder Tankstellen auch schon Geld beheben.
    foto: ap/roland

    Wird an der Kassa gerade ein- oder ausgezahlt? Immer öfter können Kunden in Supermärkten oder Tankstellen auch schon Geld beheben.

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