Motherbox: "Alien-Ei" soll Smartphones drahtlos aufladen

6. April 2017, 16:56
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Verspricht Reichweite bis 50 Zentimeter – wirbt mit unbedenklicher Strahlenbelastung

Einige Smartphones unterstützen mittlerweile drahtloses Aufladen. Doch die schnurlose Versorgung des Akkus kommt mit einigen Limitierungen. Die Ladegeschwindigkeit ist deutlich limitiert, Chargingpads können meist nur ein Gerät versorgen. Das Smartphone muss aufgrund der geringen Reichweite zudem auf der Ladestation aufliegen.

Ein Problem, welches das Start-up Yank Technologies mit einem neuen Gadget lösen möchte. Es nennt sich "Motherbox" und soll Handys auf eine Reichweite von bis zu 50 Zentimeter um sich herum aufladen können.

yank technologies, inc.

Auffällig ist bei der Gestaltung der Motherbox, dass das Gerät an ein "Alien-Ei" aus Sci-Fi-Filmen erinnert. Es ist annähernd kugelförmig, aufgebaut aus Fünfecken und mit auffälligen LED-Streifen verziert.

Benötigt Receiver am Handy

Technologisch, so ein Erklärvideo, setzt man auf das gleiche Prinzip wie konventionelle Ladepads. Die drahtlose Energieversorgung läuft über ein Magnetfeld. Das Geheimnis soll jedoch im Transceiver liegen. Statt einer flachen Antenne, die lediglich geringe Reichweite in eine Richtung bietet, nutzt die Motherbox eine Anordnung aus mehreren 3D-Antennen, die eine 360-Grad-Versorgung ermöglichen sollen. Erkennt die futuristische Ladestation ein Gerät in Reichweite, soll sie das Magnetfeld dank intelligenter Algorithmen zur Maximierung der Energieversorgung anpassen können.

Allerdings schummelt Yank Technologies mit dem Werbeversprechen des "wirklich drahtlosen Aufladens". Denn um ein Smartphone mit der Motherbox laden zu können, ist ein flacher Receiver notwendig. Dieser wird am Gerät angebracht und mit dessen USB- oder Lightning-Anschluss verbunden. Erst in Kombination mit einer eigenen App funktioniert die Aufladung schließlich. Ein Receiver wird der Ladestation beigelegt.

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Zwei Modelle

Die Motherbox soll in zwei Varianten hergestellt werden. Die "Mini"-Ausgabe hat einen Durchmesser von rund neun Zentimetern und dürfte in finaler Form laut Berechnung der Hersteller eine Reichweite von 25 Zentimeter liefern. Eine für USB 2.0-Verbindungen übliche Stromversorgung mit einer Leistung von zwei Watt soll bis zu einem Abstand von rund 19 Zentimeter gewährleistet werden. Je näher das Smartphone am Gerät ist, desto höher die Leistung. Maximal werden fünf Watt erreicht.

Mit bis zu zehn Watt soll die reguläre Version der Motherbox aufwarten, die mit einem Durchmesser von über 15 Zentimeter aber auch größer ist. Sie soll auf maximal 50 Zentimeter Reichweite kommen. Die Geräte müssen zudem nicht ständig an der Steckdose hängen, sondern sollen auch mobil einsetzbar sein.

Finanziert über Indiegogo

Die Produktion hat man über eine Crowdfunding-Kampagne auf Indiegogo finanziert. Das Mindestziel konnte man dabei fast versechsfachen und knapp über 150.000 Dollar lukrieren. Unterstützer konnten für ein Investment von 89 Dollar (derzeit etwa 84,4 Euro) eine Motherbox erhalten, 99 Dollar (93,9 Euro) verlangte man für die Mini-Ausgabe.

Laut Roadmap hat man mittlerweile einen zweiten Prototypen fertig gestellt und ein Patent für die eigene Technologie angemeldet. Im Mai soll die Elektronik finalisiert werden. Aktuell geht man davon aus, dass die Massenfertigung im August anlaufen und die Auslieferung im September starten wird.

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Risiken

Das Produkt kommt aus dem Start-up-Labor der Columbia University, dementsprechend sollte das technische Prinzip dahinter wissenschaftlich erwiesen sein. Yank Technologies hat zuvor noch kein Produkt auf den Markt gebracht und arbeitet nach eigenen Angaben seit 2014 an der Motherbox.

Die Herstellungs-Roadmap erscheint optimistisch und ohne Spielraum für ungeplante Verzögerungen, die potenziell immer auftreten können – etwa weil bestimmte Bauteile nicht ausreichend verfügbar sind. Eine Einschätzung der Kalkulation hinter dem Gerätepreis ist auf Basis der Angaben kaum möglich. Vor einer Unterstützung des Projekts sind daher die potenziellen Risiken des Crowdfundings sorgfältig abzuwägen. (gpi, 6.4.2017)

  • Die Hersteller hoffen, im September mit der Auslieferung beginnen zu können.
    foto: yank technologies

    Die Hersteller hoffen, im September mit der Auslieferung beginnen zu können.

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