Bellaflora will Lieferanten zur Pestizidreduktion animieren

1. März 2017, 13:20
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Geschäftsführer Wichtl: "Gesetzgeber war bisher nicht in der Lage, das Problem zu lösen" – Mit Global 2000 entwickelter Grenzwertkatalog soll Abhilfe schaffen

Wien – Nachdem Bellaflora 2014 sein Sortiment auf organische Düngemittel umgestellt hat, will die Handelskette nun seine Lieferanten zur Reduktion der eingesetzten Pestizide bewegen. Umgesetzt wird dieser Plan mit einem Grenzwertkatalog. "Der Gesetzgeber war bisher nicht in der Lage, das Problem zu lösen", meinte Geschäftsführer Alois Wichtl am Mittwoch bei einer Pressekonferenz in Wien.

Während es im Lebensmittelbereich Rückstandsgrenzwerte für Pestizide gibt, sind diese im Bereich der Zierpflanzen bisher nicht vorgesehen. Abhilfe soll der gemeinsam mit Global 2000 entwickelte Grenzwertkatalog schaffen, bei dem insgesamt 550 Pestizide bewertet wurden. "Wir möchten so zum Beispiel verhindern, dass man sich unwissentlich Schadstoffe ins Haus holt", sagte Dominik Linhard Projektkoordinator bei der Umweltorganisation.

Grenzwert von vier

Das angewandte Prinzip ist dabei relativ einfach, wie Isabella Hollerer, Leiterin für nachhaltige Entwicklung bei Bellaflora, erläuterte. Den 550 Pestiziden wurden von den Global-2000-Experten ein Wert zwischen null und eins zugewiesen, wobei eins der schlechtestmögliche Wert ist. Basis war die "Pesticides Properties Data Base" der University of Hertfordshire in Großbritannien. "Die Indikatoren aller auf einer Pflanze gefundenen Wirkstoffe werden summiert", so Holler – das ergibt infolge die Gesamtbelastung. Für die gelieferten Pflanzen wurde dann ein Grenzwert von vier definiert, der nicht überschritten werden darf.

Ergänzend gibt es eine "Blacklist" mit als besonders negativ eingestuften Wirkstoffen mit einem Index von 0,8 und darüber, die nicht mehr verwendet werden sollen. Hier finden sich etwa Pflanzenschutzmittel aus der Gruppe der Neonicotinoide, die in der Landwirtschaft mit einem Teilverbot behaftet wurden. Ebenso gibt es eine "Watchlist" mit Wirkstoffen, die zumindest 0,7 erreichen. Die "Watchlist"-Substanzen sollten demnach nur noch in geringen Ausmaß bis gar nicht mehr zu Verwendung kommen. "Die maximale Umweltbelastung soll beschränkt werden, ebenso sollen durch das Prinzip der Summenbelastung die Pestizidcocktails reduziert werden", fasste Linhard die Ziele zusammen.

Gültig für das ganze Sortiment

"Das ist jetzt noch ein Minderheitenthema in der Bevölkerung, aber es wird die Zukunft sein", ist Geschäftsführer Wichtl von der Maßnahme überzeugt. Die rund 40 Lieferanten, überwiegend aus Österreich, wurden im Februar vom Grenzwertkatalog informiert, mit einem Tool können diese die Indexwerte ihrer Pflanzen errechnen. Bellaflora selbst nimmt bereits Stichproben von den Lieferungen, hat aber für diese eine einjährige Umstellungszeit eingeräumt. Der Grenzwertkatalog gilt jedenfalls für das gesamte Pflanzensortiment – ausgenommen die Biopflanzen, wo ohnehin die strengen Regeln der biologischen Landwirtschaft zur Anwendung kommen. (APA, 1.3.2017)

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