Trump hält vor dem US-Kongress seine bisher beste Rede

Analyse mit Video1. März 2017, 06:00
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US-Präsident findet nette Worte für seine Nato-Verbündeten

Donald Trump hat in der Nacht zum Mittwoch vor beiden Häusern des US-Kongresses die bisher beste Rede seiner Präsidentschaft gehalten. Was daran liegt, dass es nach den fahrigen, aggressiven, teils bizarren Auftritten seiner ersten Wochen im Amt rhetorisch kaum noch bergab gehen konnte.

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Zusammenfassung der Rede des US-Präsidenten Donald Trump vor dem US-Kongress.

Ausnahmsweise hat er darauf verzichtet, die Medien zu beschimpfen oder sie gar nach bisheriger Manier zu Feinden des Volkes zu erklären. Er hat sich strikt an ein Manuskript gehalten, diszipliniert vom Teleprompter abgelesen, ohne verbal aus der Hüfte zu schießen. Begonnen hat er damit, die Hassverbrechen der vergangenen Tage, von rassistisch motivierten Schüssen auf zwei Inder in einer Kneipe in Kansas bis hin zum Umstürzen von Grabsteinen auf jüdischen Friedhöfen in St. Louis und Philadelphia, klipp und klar zu verurteilen. Später fand er vergleichsweise nette Worte für die Nato-Verbündeten, er sprach von der Schieflage der Lastenteilung in der Allianz, ohne in den drohenden Unterton zu verfallen, dessen er sich sonst meistens bedient.

Für einen Donald Trump ist das schon viel. Dass es eine ziemlich konventionelle Vorstellung war, weniger auf Schockwirkung bedacht, nicht so rabiat nationalistisch wie die Rede am Tag seiner Amtseinführung, hat ihm vergleichsweise gute Stilnoten eingetragen.

president donald trump speeches & press conference
Die Rede vor dem Kongress in voller Länge zum Nachhören.

Niedrige Messlatte

Letzteres zeigt jedoch nur, wie niedrig die Messlatte liegt. Als ob man schon froh sein müsste, wenn der Populist auf seine populistischsten Töne verzichtet. In der Substanz, um die es eigentlich gehen sollte, wenn ein US-Präsident im Parlament erscheint, um den Fahrplan fürs kommende Jahr zu skizzieren, hat Trump einmal mehr nicht mehr geboten als verbalen Nebel.

Einmal mehr vermochte er nicht zu erklären, wie er die Quadratur des Kreises bewerkstelligen will. Auf nichts anderes läuft nämlich hinaus, was er alles ankündigt: eine Billion Dollar für ein groß angelegtes Infrastrukturprogramm, obendrein massiv erhöhte Verteidigungsausgaben, aber zugleich massive Steuersenkungen und dabei kaum ein Wort darüber, wie er die absehbare finanzielle Lücke zu schließen gedenkt.

Rauschender Beifall, als er den Kongress aufforderte, entschlossen zu handeln, um Barack Obamas Gesundheitsreform zu kassieren und durch etwas Neues zu ersetzen. Wie die Alternative konkret aussehen soll? Es war nicht zu erfahren an diesem Abend. Eine "reale und positive" Einwanderungsreform sei möglich, signalisierte der Mann, der große Teile seines Wahlkampfes mit heftiger Polemik gegen Einwanderer aus Lateinamerika bestritten hatte. Stunden zuvor hatte er einen kleinen Überraschungscoup gelandet, als er Journalisten beim Lunch anvertraute, er könne sich durchaus vorstellen, illegalen Migranten den Weg in die Legalität zu ebnen. Wer daraufhin zumindest grobe Umrisse jener Reform erwartet hatte, sah sich bald eines Besseren belehrt.

Dafür hagelte es Phrasen, Phrasen, Phrasen. Die Zeit für kleines Karo sei vorbei, von nun an lasse sich Amerika von seinen Hoffnungen leiten, statt sich von seinen Ängsten niederdrücken zu lassen, sagte Trump, erkennbar darum bemüht, wie der posthum auf den Denkmalssockel gehobene Optimist Ronald Reagan, der Säulenheilige der Republikaner, zu klingen. Wenn man zurückblicke auf diese Nacht, werde man sie als einen Moment in Erinnerung behalten, in dem "ein neues Kapitel amerikanischer Größe" begonnen habe. Es gibt viele, die das wohl anders sehen. (Frank Hermann aus Washington, 1.3.2017)

Zitate aus Trumps Kongressrede

ÜBER EINSTIGE FEINDE UND NEUE FREUNDE:

"Wir wollen Frieden, wo immer Frieden möglich ist. Amerika ist heute mit einstigen Feinden befreundet. Einige unserer engsten Verbündeten haben in den Weltkriegen vor Jahrzehnten auf der anderen Seite gekämpft."

"Amerika ist bereit, neue Freunde zu finden und neue Partnerschaften zu schmieden, wenn es im Einklang mit gemeinsamen Interessen liegt. Wir wollen Harmonie und Stabilität, nicht Krieg und Konflikte."

ZUM KAMPF GEGEN DEN "ISLAMISCHEN STAAT"

"Wir werden mit unseren Partnern zusammenarbeiten, einschließlich unserer Freunde und Verbündeten in der muslimischen Welt, um diesen schändlichen Feind vom Antlitz unserer Erde auszulöschen."

ZU OBAMACARE

"Ich rufe alle Demokraten und Republikaner im Kongress auf, die Amerikaner vor dem implodierenden Desaster von Obamacare zu beschützen."

ZU JÜNGSTEN HASSVERBRECHEN

"Die jüngsten Drohungen gegen jüdische Einrichtungen und der Vandalismus auf jüdischen Friedhöfen erinnern uns ebenso wie die tödlichen Schüsse in Kansas City daran, dass wir ein Land sein mögen, das in seinen Politikansätzen geteilt ist – das aber zusammensteht, wenn es den Hass und das Böse in seiner ganzen Hässlichkeit verdammt."

ÜBER INNERE SICHERHEIT

"Es ist nicht mitfühlend, sondern rücksichtslos, unkontrollierten Zugang (in das Land) von Orten zu ermöglichen, wo es keine angemessene Überprüfung geben kann."

"Wir dürfen keinen Brückenkopf des Terrorismus in unserem Land zulassen."

ÜBER EINE EINWANDERUNGSREFORM

"Eine wirkliche und positive Einwanderungsreform ist möglich."

ZU EINER STEUERREFORM

"Um unsere Ziele im Land und im Ausland zu erreichen, müssen wir den Motor der amerikanischen Wirtschaft wieder anwerfen."

AUFRUF ZU OPTIMISMUS UND MUT

"Die Zeit für Denken in kleinen Dimensionen ist vorbei."

"Die Zeit für banale Kämpfe ist vorüber."

"Wir brauchen nur den Mut, die Träume zu teilen, die unsere Herzen füllen."

"Von nun an wird Amerika von unserem Streben befähigt – nicht von unserer Furcht belastet."

"Nun beginnt ein neues Kapitel amerikanischer Größe."

  • Donald Trump lässt sich von Vize Mike Pence und Paul Ryan applaudieren.
    foto: ap/scalzo

    Donald Trump lässt sich von Vize Mike Pence und Paul Ryan applaudieren.

  • Ivanka Trump und ihr Mann Jared Kushner auf der Besuchertribüne.
    foto: afp photo / andrew caballero-reynolds

    Ivanka Trump und ihr Mann Jared Kushner auf der Besuchertribüne.

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