Das beste Stück ... nachgefragt bei Svenja Deininger

    Kolumne10. März 2017, 10:58
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    Michael Hausenblas fragt die Künstlerin Svenja Deininger, warum sie dieser Schrank schon ihr ganzes Leben lang begleitet

    "Dieser Schrank war schon immer da. Er stand in allen Zimmern, in denen ich je gewohnt habe. Er reiste also bei jedem Umzug mit, sei es von Münster nach Wien oder von Köln über Berlin wieder nach Wien. Damit macht er mir die Entscheidung, ihn 'auszusortieren', immer schwerer. Dabei ist der Kleiderschrank nicht einmal schön und passt auch nicht zu meinen anderen Möbeln.

    Es ist, als führe er ein Eigenleben, was es mir unmöglich macht, mich von ihm zu trennen. Gefertigt ist er aus Kirschholz und stammt ursprünglich aus dem Besitz meines Großvaters. In dem Schrank findet man keine einzige Schraube. Man kann ihn gut in seine Einzelteile zerlegen und wieder zusammenstecken. Außerdem quietscht er ziemlich laut. Obwohl es grauenvoll klingt, mag ich das Geräusch. Wahrscheinlich, weil es mich schon so lang begleitet.

    Und noch etwas: Am unteren Ende ist er angeknabbert. Das erinnert mich daran, dass ich einmal einen Hasen hatte, der sich immer unter dem Möbelstück versteckt hat." (Michael Hausenblas, RONDO, 8.3.2017)

    Weiterlesen:
    Svenja Deininger: Vielschichtiges Spiegelkabinett

    Arbeiten von Svenja Deininger sind bis 26. März in der Wiener Secession zu sehen.

    • Svenja Deininger: "Obwohl der Schrank grauenvoll quietscht, mag ich das Geräusch."
      foto: nathan murrell

      Svenja Deininger: "Obwohl der Schrank grauenvoll quietscht, mag ich das Geräusch."

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