Schutz für Schützer: Heilige im Stephansdom in Rettungsfolie gehüllt

Ansichtssache1. März 2017, 07:00
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Installation der Künstlerin Victoria Coeln zur Fastenzeit

Licht, Farben und ihre Wirkung im Raum stehen im Zentrum der Arbeit der 1962 in Wien geborenen Künstlerin Victoria Coeln. Eine Installation Coelns, die auf die Not Schutzsuchender hinweisen soll, ist nun während der Fastenzeit im Wiener Stephansdom zu sehen. Das traditionelle Fastentuch hat sie als Projektionsfläche konzipiert.

foto: apa/herbert neubauer

108 Heiligenstatuen zieren die Säulen im Inneren des Wiener Stephansdoms. 37 von ihnen zeigen sich während der Fastenzeit großteils verhüllt. Sie wurden von der Wiener Künstlerin Victoria Coeln in Rettungsfolie eingewickelt. Damit soll auf die existenzielle Notlage Schutzsuchender angespielt werden, wurde bei der Präsentation am Dienstag betont. Auch das Fastentuch im Dom ist heuer neu.

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foto: apa/herbert neubauer

Victoria Coeln hat bereits wiederholt in den Innenräumen von Sakralbauten – auch im Stephansdom – beeindruckende Lichtspiele entstehen lassen. Die diesjährige Arbeit ist auf den ersten Blick hingegen wenig spektakulär. Sie erschließt sich erst bei genauerem Hinsehen, da die Figuren immerhin fast zehn Meter über den Besuchern der Kathedrale postiert sind.

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foto: apa/herbert neubauer

Die gotischen Statuen sind fast vollständig eingehüllt, nur die Gesichter oder manche Heiligenattribute sind zu erkennen. Gleichzeitig sind die steinernen Beschützer aber sichtbarer als sonst: Wenn Sonnenlicht oder das Licht aus eigens montierten Spots auf die Objekte fällt, beginnt es im Kirchenraum zu glitzern.

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foto: apa/herbert neubauer

Viele jener Heiligen, die nun mit Rettungsdecken ausstaffiert sind, stammen laut Coeln aus Ländern des Nahen Ostens – also aus einer Region, die heute teilweise Kriegsgebiet ist. Dompfarrer Toni Faber sprach heute von einer "Hommage" an jene Hunderttausenden, die nicht das Privileg hätten, in der EU geboren zu seien, hier aber Schutz suchen würden. Die Installation trägt dem entsprechend den Titel "Herkunft".

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foto: apa/herbert neubauer

Ein weiterer Teil – genannt "Lebenszeit" – der als Trilogie angelegten Arbeit ist eine Projektionsfläche im Altarraum. Sie ersetzt heuer das traditionelle Fastentuch. Gemeinsam mit der Schweizer Künstlerin Susanne Lyner hat Coeln ein Video konzipiert, das auf dem Gobelin gezeigt wird. Besucher sind mit einem sich stetig verändernden Muster konfrontiert, das sich theoretisch 81,5 Jahre nicht wiederholt, was der durchschnittlichen Lebenszeit eines Mitteleuropäers entspricht – aber nach der Fastenzeit wieder deinstalliert wird.

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foto: apa/herbert neubauer

Der dritte Teil ("Geschlecht") wird im Mai, dem traditionellen Frauenmonat der katholischen Kirche, eröffnet. Männliche Säulenheilige werden dann mit halbtransparenten Tüchern verhüllt, weibliche Skulpturen und Mariendarstellungen sollen hingegen mittels Licht sichtbarer gemacht werden. Im Bild: Die Künstlerin Victoria Coeln legt letzte Hand an ihr Werk. (APA, red, 1.3.2017)

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