"Der Ackermann und der Tod": Ich klage an den Tod

    1. März 2017, 13:04
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    Johannes von Saaz mittelalterliche Dichtung, eingelesen u. a. von Thomas Dehler

    Es brauchte mehr als 550 Jahre, auf dass in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ein Schriftsteller, Elias Canetti, wieder mit Verve den Tod verfluchte. Sein Vorgänger als wortgewaltiger Tod-Anfechter war Johannes von Saaz (1350 Böhmen – 1414 Prag).

    1401 schrieb der Schulleiter und Protonotar Der Ackermann und der Tod. Es ist eine rhetorisch hochfliegende, ausgefeilte Anklage des Todes durch den Ackermann, dem die Frau gestorben ist, was in eine Disputation übergeht über Vergänglichkeit, Zynismus, Leid und Ehe, Einsamkeit und Freudlosigkeit, Glück des Einzelnen und die Suche nach Weisheit des Menschen.

    Hubert Witt hat bereits im Jahr 2000 diesen Text aus dem frühen Neuhochdeutschen in ein gut klingendes (besonders engagiert enragiert: Thomas Dehler als Ackermann) Gegenwartsdeutsch übertragen, alles 2016 überarbeitet und einen informativen Essay fürs Booklet geschrieben. Es war die letzte editorische Tat des 1935 geborenen Lektors aus Leipzig, Übersetzers Oswald von Wolkensteins und jiddischen Lyrikers. Im letzten Oktober verstarb Witt. (Alexander Kluy, 28.2.2017)

    Johannes von Saaz, "Der Ackermann und der Tod". € 16,80 / 79 min. Buchfunk, Leipzig 2017

    • Johannes von Saaz, "Der Ackermann und der Tod". € 16,80 /  79 min. Buchfunk, Leipzig 2017
      foto: buchfunk

      Johannes von Saaz, "Der Ackermann und der Tod". € 16,80 / 79 min. Buchfunk, Leipzig 2017

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