Karenz? Papas haben zu viel Angst um ihre Karriere

    28. Februar 2017, 10:10
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    Neun von zehn meinen in einer aktuellen Befragung, dass der Arbeitgeber eine Väterkarenz nicht gutheißen würden

    Väter möchten mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen. Aktuelle Ergebnisse einer Studie der Jobbörse StepStone legen allerdings nahe, dass Väterkarenz, geteilte Elternkarenz oder Familienzeit bei Arbeitgebern nicht gerne gesehen werden. Die Angst, dass sich Väterkarenz negativ auf die Karriere auswirkt, sowie die Befürchtung finanziell nicht über die Runden zu kommen, halten Väter offenbar davon ab, mehr Zeit mit dem Nachwuchs zu verbringen. Befragt wurden 803 österreichische Arbeitnehmern, davon 57 Prozent Männer und 43 Prozent Frauen.

    "Die gesetzlichen Rahmenbedingungen sind geschaffen. Jetzt sind die Arbeitgeber am Zug, sie müssen die Ängste ihrer Mitarbeiter reduzieren um sich so im Kampf um die besten Köpfe langfristig einen Vorteil zu schaffen", kommentiert Rudi Bauer, Geschäftsführer StepStone Österreich.

    Weitere Ergebnisse

    Die Studie zeigt außerdem: Österreicher dürften sich sehr gut über das Thema Väterkarenz informiert fühlen (54 Prozent) – nur vier Prozent geben an, dass sie davon noch nie gehört haben. Informationen über die Väterkarenz erfolgt jedoch über Medien und eigene Recherche. Arbeitgeber kommunizieren das Thema nicht aktiv: 57 Prozent werden absolut oder eher nicht vom Arbeitgeber darüber informiert. Bereits 47 Prozent der befragten Eltern haben Väterkarenz in Anspruch genommen.

    Befragte in den Berufsfeldern Management, Gesundheit, Medizin & Soziales sowie Marketing & Werbung nehmen die Väterkarenz deutlich öfter in Anspruch (über 60 Prozent) als jene in den Berufsfeldern Administration & Sekretariat bzw. Produktion & Handwerk (acht Prozent). Außerdem zeigt sich, dass Arbeitnehmer mit akademischer Ausbildung eher in Väterkarenz gehen: 59 Prozent der Befragten mit Universitätsabschluss (Bachelor, Master oder Doktor) taten es, bei den Befragten mit Matura bzw. Pflichtschulabschluss sind es nur 35 bzw. 33 Prozent.

    Wunsch versus Realität

    Dass sie als Väter für ihr Kind – von klein auf – da sein möchten, sagen 96 Prozent der Befragten. Sie sehen einen eindeutigen Vorteil darin, Väterkarenz in Anspruch zu nehmen, da dies die Vater-Kind-Beziehung stärken würde. Außerdem sind 80 Prozent der Befragten der Meinung, dass geteilte Elternkarenz die Gleichstellung zwischen Mann und Frau fördert. 88 Prozent sehen sie auch als Mittel für eine besser Work-Life-Balance. Auch dass Mütter früher ins Berufsleben zurückkehren können, wird von 81 Prozent der Befragten als wichtig erachtet.

    Die größten Hürden auf dem Weg zur Väterkarenz sind jedoch die fehlende Bereitschaft der Arbeitgeber männliche Arbeitnehmer am Arbeitsplatz zu entbehren. Arbeitnehmer haben Angst vor Karriereeinbußen und die befürchten finanziell nicht auszukommen. 88 Prozent der Befragten gehen davon aus, dass Väterkarenz beim Arbeitgeber nicht gerne gesehen wird. 81 Prozent befürchten negative Folgen für ihre Karriere. 74 Prozent der Befragten befürchten, dass es sich Familien finanziell nicht leisten können, wenn das Gehalt des Vaters ausfällt und durch Kinderbetreuungsgeld ersetzt wird. (red, 28.2.2017)

    • Väter wollen für ihre Kinder da sein – befürchten aber Karriereeinbußen, wenn sie in Karenz gehen.
      foto: istock

      Väter wollen für ihre Kinder da sein – befürchten aber Karriereeinbußen, wenn sie in Karenz gehen.

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